371 Wettbewerbe

Gemeindezentrum Naarn

Alle Modellfotos: © NEUE HEIMAT
Modell Siegerprojekt Gerald Anton Steiner Architekten
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Die Marktgemeinde Naarn in Machlande hat einen geladenen Architekturwettbewerb für ein Vorentwurfskonzept zur Errichtung eines Gemeindezentrums ausgelobt. Gewinner wurden Gerald Anton Steiner Architekten aus Linz.

von: Redaktion

Die Marktgemeinde Naarn mit rund 3800 Einwohnern beabsichtigt die Errichtung eines neuen Amtsgebäudes mit Räumen für die Gesundheit (Arzt, Physio, Zahnarzt), Gewerbe (Bank, Friseur), Gastronomie und Multifunktionsraum.

Das bestehende Gebäudeensemble Gemeinde/Kirchenwirt befindet sich gegenüber der Friedhofsmauer und der Kirchenanlage. Diese Stelle ist städtebaulich bedeutsam und für den Ortskern von Naarn wesentlicher Bestandteil der Zentrumsbildung. Die vor­handene Kerngebietswidmung ­ermöglicht dort eine dichtere Gebäudestruktur, die auch durch den Bestand eindeutig ablesbar ist. Die Erscheinung ist durch die differenzierte Gestaltung und Abfolge unterschiedlicher Baukörperausbildungen geprägt.

Die Marktgemeinde Naarn legt beim Neubau des Gemeindeamtes auf Rücksichtnahme der Kleinkörnigkeit und Differenzierung in der Gebäudeabfolge wert. Der dörfliche Charakter soll in wesentlichen Zügen erhalten werden. Weiters bestand der Wunsch nach einem Vorbereich vor dem ­Gemeindeamt sowie einer ­barrierefreien Planung aller Eingänge. 

Städtebauliche Entwicklung

Gewonnen hat den Wettbewerb der Linzer Architekt Gerald Anton Steiner. Sein städtebauliches Konzept greift die für Naarn typischen Bauformen von Vierkanter und die um einen „Weiler“ gruppierten Höfe auf und überlagert den kompakten Vierkanter mit einer ­offen gruppierten Siedlungsform. Das neue Gemeindeamt wird folgerichtig entlang der Hauptstraße als lang gestreckter 

Satteldachbaukörper situiert und ist gemeinsam mit dem zweiten Baukörper, ebenfalls mit Satteldach, räumlicher Abschluss des Marktplatzes. Eine Marktgasse führt in den „Naarner Hof“ (innenhofartiger öffentlicher Raum), an dem das Ärztezentrum und im Norden das bestehende Gemeindeamt das ortsräumliche Gesamtkonzept komplettieren. Insgesamt wird die geschlossene Form des derzeitigen Gebäudebestandes aufgegriffen, aber durch die Setzungen der neuen drei Baukörper mit einer Durchlässigkeit zwischen Kirche und Marktplatz sowie dem begrünten südlichen Nachbargrundstück städtebaulich wei­ter­entwickelt. Der im Raum­programm vorgesehene Nutzungsmix wird im Konzept mit den einzelnen Häusern übersetzt, wobei sich das neue Gemeindeamt mit Mehrzwecksaal im baulichen Gefüge des Ortszentrums integriert.

Das stimmige Gesamtkonzept vermochte das Preisgericht zu überzeugen, ebenso die Wirtschaftlichkeit.

Präsenz am Marktplatz

Den zweiten Rang belegte die Arbeitsgemeinschaft exp ­architekten und Architekten Kneidinger aus Linz. Wie die Jury urteilte, bildet das Setzen ­zweier großer Volumina einen starken städtebaulichen Ansatz. Das Projekt besticht in seiner Präsenz im Kontext zum Marktplatz, bildet eine erlebbare Eingangssituation für das Gemeindezentrum und eröffnet gut nutzbare Außenräume, auch als Zwischenraum der beiden Baukörper. Positiv wurde die zweigeschoßige Anordnung im umgebenden Ortskern gesehen. Die flach geneigten Satteldächer formen die Baukörper in ihrer Präsenz. Funktional wurde die Aufteilung der öffentlichen Flächen im Obergeschoß mehrfach diskutiert, ebenso war für die Jury die flächenmäßige Teilung der Gemeinde über die Geschoße wenig überzeugend. Die ­Lösung der Flächen für die ­Gemeinde wurde als sehr großzügig überlegt beurteilt. Ebenso wurde die Wirtschaftlichkeit bezweifelt.

Das Projekt, so die Jury abschließend, ist gelungen, aber zugunsten einer nicht nachvollziehbaren Flächenbilanz, die wirtschaftlich nicht darstellbar ist. Das Bauen in Etappen scheint nicht möglich.

Erhalt des Bestandsgebäudes 

Der drittplatzierte Entwurf der Architekturbüros x architekten und EEP Architekten sieht den Erhalt des Bestandsgebäudes an der Straßenecke zum Marktplatz, des Saals im Obergeschoß und des gesamten bestehenden Gemeindegebäudes vor, wobei Zubauten südlich des Gasthauses und im südlichen Anschluss des Gemeindeamts zur Erfüllung des Raumprogramms angeboten werden. Der Versuch des Spielens mit dem Bestand wird vonseiten des Preisgerichts gewürdigt. Durch die Zwänge des Bestands werden die Flächen des Gemeindeamts auf drei Bereiche notwendig, was vonseiten des Nutzers nicht als optimal angesehen wird.

Die großzügigen gedeckten Außenflächen zum Marktplatz sowie parallel zum Neubauteil im Süden und der dadurch entstehende geringe Abstand zum Nachbargebäude erschienen dem Preisgericht nicht maßstäblich. Die im Erdgeschoß entstehende Gasse, die im Obergeschoß zweimal 

überbaut wird und damit einen Lichthof entstehen lässt, kann als gelungenes Element gesehen werden. Die dadurch entstehende Verringerung der ­Belichtungsfläche für das Teambüro soll durch ein Überkopflichtband kompensiert werden, was vom Preisgericht nicht als durchgängig angesehen wurde.

Kompakte Form

Das Projekt des Architektur­büros Schneider Lengauer Pühringer aus Neumarkt, das als Nachrücker auf die Preisränge gewertet wurde, schlägt einen sehr kompakten, versetzten Baukörper vor, der südlich in Richtung Marktplatz eine Grünfläche und im Straßenverlauf einen neuen Gemeindeplatz anbietet. Die kompakte Form wird vonseiten des Preisgerichts aus ortsplanerischer Sicht als gelungen angesehen. Die Verortung der Zugänge zu den einzelnen Bereichen kann vonseiten des Preisgerichts nur teilweise nachvollzogen werden, da das Etablieren eines neuen Gemeindeplatzes als nicht erstrebenswert erscheint. Wenngleich die städtebauliche Setzung und die Formensprache des Projekts überzeugen, sind die Verortung der inneren Funktionen vonseiten des Preisgerichts nicht die Antwort auf die Aufgabenstellung.

1. Rang
Projekt 09

Gerald Anton Steiner Architekten ZT GmbH
Linz
Gegründet 2011
geraldantonsteiner.com

STECKBRIEF

Architektur
ist kulturelle Praxis und reflektierende Analyse des Kontexts, zu dem sie als ­formale und materielle Ergänzung Stellung bezieht.

Am Anfang des Entwurfsprozesses …
steht die intensive Aus­einandersetzung mit Programm, Ort und Kontext.  

Wettbewerbe …
sind eine Möglichkeit, die eigene architektonische Haltung auf den Prüfstand zu stellen und weiterzuentwickeln – also entweder gewinnen oder lernen!  

AUSLOBUNG

Auslober/Auftraggeber   
NEUE HEIMAT Oberösterreich Gemein­nützige Wohnungs- und SiedlungsgesmbH, Linz (als Totalübernehmer) 

Verfahrensbetreuung 
Architekturbüro Scheutz, Linz 

Art des Verfahrens 
Geladener Realisierungswettbewerb 

Gegenstand des Wettbewerbs 
Erlangung eines Vorentwurfskonzepts für die Errichtung eines Gemeindezentrums in Naarn

Beurteilungskriterien
Funktionelle Lösung: Erfüllung des Raumprogramms, Zuordnung der ­Bereiche, Orientierbarkeit, Weg­führung. 

Konstruktiv-wirtschaftliche Lösung: 
Wirtschaftliche Aspekte der baulichen Konstruktion und der Erhaltung der Anlagen und ihres Betriebs für die Gemeinde. 

Architektonische Lösung: Räumliche Gestaltung der Innen- und Außenbereiche sowie des formalen Aspekts der gesamten Anlage. 

Ortsplanerische Lösung: Erschließung des Gebäudes, Gliederung und Gestaltung der Baukörper und Außenräume, Berücksichtigung der Umgebung, Aussagen zur landschaftsplanerischen und gärtnerischen Gestaltung. 

Geladene Teilnehmer, Reihung und Preisgelder    
1. Rang: Gerald Anton Steiner Architekten ZT GmbH € 7400,–
2. Rang: ARGE exp architekten ­ZT-GmbH und Architekten ­Kneidinger ZT GmbH € 6000,– 
3. Rang: ARGE X Architekten ZT GmbH und EEP Architekten GmbH € 6000,– 

Weitere Teilnehmer je € 3500,–:
Nachrücker: Schneider Lengauer Pühringer Architekten ZT GmbH
Steinkellner & Partner Architekten
Architektinnen Schremmer-Jell ZT GmbH
Two in a box Architekten ZT GmbH
TEAM M Architekten ZT GmbH
F2 Architekten ZT GmbH
ARGE Architekt DI Christoph Wenter und Dornstädter Architekten ZT GmbH

Preisgericht (ohne Titel)   
Fachpreisrichter: 
Arch. Heinz Plöderl
Arch. Gudrun Fleischmann-Oswald Elke Handstanger

Sachpreisrichter: 
Bgm. Martin Gaisberger
GV Klaus Wurm
FO Volkmar Ramm 

Preisgerichtssitzung   
24.10.2023


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