352 Interior Design

Für helle Köpfchen

© licht.de/Trilux
Wichtig in allen für schulische Zwecke genutzten Räumen ist eine gleichmäßige und helle Ausleuchtung der horizontalen Arbeitsflächen.
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Licht steuert – die Laune, die Aktivität, das Wohlbefinden. Aber Licht lässt sich auch steuern – und das so individuell wie noch nie. Gerade im Bildungswesen entscheidet die richtige Beleuchtung über den Erfolg in jeder Hinsicht.

von: Barbara Jahn

Lesen, lernen, konzentriert arbeiten, zu­hören, entdecken, aufmerksam sein, unterrichten, kommunizieren – in einer Bildungseinrichtung werden viele Tätigkeiten in einen Raum hineingepackt. All das sollte natürlich unter besten Bedingungen stattfinden, die von jedem Einzelnen, der sich in diesem Raum befindet, auch gleichermaßen gut empfunden werden sollten. Eine wesentliche Rolle, Interesse zu wecken, Müdigkeit vorzubeugen, Konzentration zu fördern und die Leistung zu unterstützen, spielt dabei die Belichtung, die wie ein Motor im Hintergrund Körper und Geist motiviert und anspornt. Licht wird als Schlüssel zur visuellen Wahrnehmung bezeichnet, ein Medium, das die menschlichen Sinne positiv aktiviert und damit gerade beim Lernen eine wichtige Basis bietet. Doch anders als früher ergeben sich andere Konstellationen in einem Raum, da Unterricht oder gemeinsames Arbeiten viel dynamischer geworden sind und sich auch durch den Einsatz digitaler Medien charakteristisch verändert haben. Trotzdem muss Lernen effektiv sein, und der Beleuchtung kommt die Aufgabe zu, die Beteiligten zu motivieren, das Dargebotene aufzunehmen und zu verarbeiten. Das richtige Licht hebt die Stimmung, ist auf die Bedürfnisse zugeschnitten und kann bei professioneller Lichtplanung situativ angepasst werden.

Zündende Ideen
Schon im Kindergarten, wo noch nicht geschrieben und gelesen wird, ist eine gute Beleuchtung ausschlaggebend. Keine Frage, dass man immer versuchen wird, solche Einrichtungen mit möglichst viel Tageslicht auszustatten, denn dieses ist ohne Zweifel die emotionale Nervennahrung für den Menschen, egal welchen Alters. Die Kleinsten widmen sich ihren Interessen entsprechenden Aktivitäten wie Rollenspiele, Basteln und Malen, aber auch Auffädeln von winzigen Perlen oder Suchspielen. All das findet im Gruppenraum statt, wo auch getobt, gekuschelt und vorgelesen wird. Das Licht muss diese spannenden Entdeckungsreisen der Kinder in vollem Umfang unterstützen, es muss eine gute Farbwiedergabe haben und blendfrei sein, es muss eine gute allgemeine Atmosphäre erzeugen, aber auch für spezielle Aufgaben intensiv genug sein. Gleichzeitig muss jede Ecke gut ausgeleuchtet sein, um Gefahren erkennbar zu machen. Eine Zonierung in einzelne Bereiche zu ermöglichen ist auch von großer Bedeutsamkeit, denn während die Kleinsten ihr Mittagsschläfchen genießen, können die Vorschulkinder bereits an ihren Arbeitsblättern sitzen und sich dabei wertvoll und still beschäftigen, bevor es dann wieder lebhaft wird.

Lernen und leuchten
Schüler haben wieder ganz andere Bedürfnisse. Dementsprechend – mit den heutigen pädagogischen Anforderungen wohlgemerkt – wird der Klassenraum zum Multitalent. Das Arbeiten in Gruppen ist ebenso wichtig wie das Präsentieren von Referaten – wechselnde Szenarien mit variierendem Fokus fordern auch die Beleuchtungstechnik, die eine entsprechende Flexibili­tät bieten können muss. Auch hier sollte der Tageslichtanteil so hoch wie möglich sein, den das künstliche Licht nach Bedarf unterstützt. Obwohl im gesamten Raum schließlich eine gleichmäßige Ausleuchtung angestrebt wird, erfordert der Raum vor der Präsentationsfläche eine höhere Beleuchtungsstärke als der restliche Raum. Getrennte Schaltung und die Möglichkeit zu dimmen schaffen hier genügend Gestaltungsspielraum. Blend- und reflexionsfreies Licht sind ein Muss, um eine Überanstrengung der Augen zu vermeiden – Wandfluter, die punktuell hellere Zonen schaffen, und Pendelleuchten mit direktem und indirektem Lichtanteil eignen sich dafür ideal. Auch für den Einsatz von Whiteboards, Computern und anderen Medien können eigene Lichtkonzepte kre­iert werden.

Hell trifft heller
Der Schule entwachsen und künftig Student, ergeben sich wieder neue Schau­plätze wie Hörsäle, Auditorien und Bibliotheken, die einen sehr unterschiedlichen Schwerpunkt für die Beleuchtung bedeuten. Während man bei Ersteren eine Art Bühnensituation vorfindet und eine individuelle, an die Situation angepasste Lichtstimmung meist über ein Pult vom Vortragenden oder von einem Technikerteam gesteuert werden kann, verlangen Bibliotheken gut ausgeleuchtete Korridore, Regale und Lesebereiche, die ihrerseits mit zusätzlichen, idealerweise mobilen Stehleuchten noch verstärkt erhellt werden können. Auch hier kann man die Vorteile einer direkt-indirekten Beleuchtung gut nutzen, um die perfekten Bedingungen zum Studieren zu schaffen. Da in vielen Büchern Hochglanzseiten zu finden sind, ist eine reflektierende Beleuchtung zu vermeiden. Gleichmäßiges Licht als Grundbeleuchtung ist ebenfalls hier empfehlenswert.

Orte der Begegnung
Dort, wo noch mehr Menschen als in Klassen oder Hörsälen zusammenkommen, muss sich die Kunst des Lichts selbst übertreffen. Eine Aula, wo Zusammenkünfte, Empfänge, Feiern, Konzerte und Diplomverleihungen stattfinden, ist der Spagat ein großer. Die vielfältige Nutzung dieser Räumlichkeiten verlangt ein ausgeklügeltes Lichtkonzept, das die Kombination verschiedener Systeme beinhaltet. Zum einen kann auch hier mit Tageslicht, vielleicht durch großzügige Verglasungen und Oberlichter, zu einer besonderen Atmosphäre beitragen. Wird künstliches Licht unterstützend gebraucht oder gar abgedunkelt, haben die Leuchten das Kommando. Neben breit strahlenden Flutern und einem System mit Stromschienen, die beliebig bestückt und ausgetauscht werden können, sollte man auf repräsentative Leuchten nicht vergessen. In der Mensa herrscht eine kommunikative und eher gemüt­liche Stimmung vor, die vom Licht getragen werden kann. Die Grundbeleuchtung kann man mit Anbau- oder Einbauleuchten, aber auch Strahlern und Leuchten an Stromschienen gut abdecken. Dekorative Pendelleuchten über den Tischen helfen, den Raum zu zonieren und erzeugen eine gewisse Zusammengehörigkeit. Auch Wandleuchten können einen wertvollen Beitrag zu einer gemütlichen Atmosphäre leisten. Für beide Szenarien gilt: Mit einem oder mehreren zusätzlichen, separat geschalteten Beleuchtungssystemen macht man sich unabhängiger und kann noch besser auf unterschiedliche Nutzungen reagieren. 

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