362 Naturstein

Für Gott, Kaiser und die Ewigkeit musste es Naturstein sein

Naturstein aus der Nähe (u. a. Sölker Marmor) in der Weltwunder-Bibliothek des Stiftes Admont

Denk mal! Was für ein Auftrag jedes Strebens nach Größe, Schönheit, Botschaft, Symmetrie, Faszination, ja nach Wunder!

von: Reinhard Bimashofer

Als mit der Planung der heute weltberühmten Stiftsbibliothek in Admont 1764 begonnen wurde, hatte der österreichische Barockbaumeister Josef Hueber wohl eine himmlische Vision. Bis 1776 begleitete er das phänomenale Werk und schuf die größte klösterliche Bibliothek der Welt. Von manchen gar als achtes Weltwunder bezeichnet. Vom Boden bis zur Decke edelste Zielsetzungen und würdige Beheimatung eines Teils der bis ins 8. Jahrhundert datierten schriftlichen Kostbarkeiten. Gut 200.000 an der Zahl.
Baugenie Josef Hueber wählte damals für den Boden Natursteinplatten und achtete auf hochwertigen Marmor sowie möglichst kurze Transportwege. Etwa gewonnen in der Kleinsölk, der heute noch begehrte Sölker Marmor, der nun schon seit 246 Jahren zum Gesamtkunstwerk der Stiftsbibliothek Admont beiträgt.
Damals war Ewigkeit zwar ein Thema, aber Barockbaumeister Hueber hatte höchstens eine Vorahnung bei seiner logischen Materialwahl: Naturstein. Natursteine und Denkmäler sind längst unzertrennliche Geschwister. Das wird auch heute bei weitsichtigen und nachhaltigen architektonischen Lösungen immer klarer. Naturstein schlägt in seiner Gesamtbetrachtung alle kurzfristig vermeintlich billigeren Alternativen. Dies bestärkt die als Argumentationshilfe für Architekten und umweltbewusste Baubeauftragte unersetzliche Studie vom Institut für Werkstoffe im Bauwesen der Universität Stuttgart. Schon beim Energieeinsatz und bei der CO2-Belastung ist Naturstein dabei der Meister aller Klassen. Wenn er freilich bevorzugt aus nahen Quellen kommt. Dafür gibt es in Deutschland und Österreich eine erstklassige Auswahl. Nahe und verlässlich rasch verfügbar. Bei einem Quadratmeter Naturstein-Bodenbelag schnitt der 100-Kilometer-Transportweg mit 0,16 kg CO2-Äquivalent in der Studie gegenüber dem Schiff-Zug-Lkw-Transport aus China mit 7,9 kg ums 50-Fache besser ab. Des Weiteren schnitt Naturstein bei der Betrachtung der Langzeitkosten und Pflegeaufwendungen gegenüber Fliesen, Linoleum, Parkett und Co bravourös ab. Wer in Generationen denkt, wer Werke für Jahrhunderte schaffen will, wer natürliche Schönheit und Energiewirkung anstrebt, greift zu Jahrmillionen alten Kreationen der Erdgeschichte.
Betrachten wir das Bild der Stiftsbibliothek Admont mit ihrer fast an himmlische Entrücktheit erinnernden Schönheit. Sie könnte sich als Himmelstor ganz im Sinne ihres Baumeisters eignen, der Licht in seiner architektonischen Lösung mit Erkenntnis gleichsetzte. Der wahre Schatz im geistig anspruchsvollen Werk wird immer das Wissen sein, das es ehrlich und wohlmeinend teilt.
Manche sprechen beim Naturstein ehrfurchtsvoll vom himmlischen Geschenk. Da ist was dran. Denn Naturstein ist wahrlich ein Bodenschatz. Eine Quelle nachhaltiger Erbauung. Auch nach Jahrhunderten behält er im Stoffkreislauf seinen Wert und findet weitere Verwendung.

Mannigfaltig und formvollendet
Seit 1891 beherbergt Wien die beiden baugleichen Museumsbauten des Kunst- und Naturhistorischen Museums. Ohne diese beiden zu den bedeutendsten Museen der Welt gehörenden Sammlungen nur eines Blickes gewürdigt zu haben, fühlt sich der Besucher entrückt in ein Naturstein-­Orgien-Mysterium von einer Pracht, die mehr als kaiserlich würdig ist. Österreich hat mit diesen von Kaiser Franz Joseph beauftragten Bauten hoffentlich unvergängliche Denkmäler geschaffen. Zwanzig Jahre wurde daran gebaut. Naturstein mannigfaltig und formvollendet inszeniert. Zwei Denkmäler und Naturstein-Referenzen allerhöchster Güte und ein Pflichtbesuch für die Freunde formvollendeter Bauten, wie sie in dieser Dimension vielleicht nie wieder errichtet werden können.
Apropos Inszenierung: Auch das Burg­theater in seiner 1955 nach den verheerenden Weltkriegsschäden als Prunktheater von Weltgeltung wiedereröffneten Form setzt architektonisch brillant auf Naturstein. Sozusagen als Vorfreude auf das Bühnengeschehen dürfen die Besucherinnen und Besucher schon beim Eingang über Naturstein gehen. Man mag meinen, darum gehe es doch nicht in diesem Theatertempel. Doch Hochkultur bedarf des Rahmens, der Nachhaltigkeit und Substanz, schlicht eines lange tragfähigen Fundaments. Ver­edelt mit Naturstein war das auch beim Wiederaufbau die erste Wahl. Und ist es heute mehr denn je, da Natursteine von Architekten längst als Schönheits-, Beständigkeits-, Nachhaltigkeits- und Umweltschutz-­„Weltmeister“ erkannt sind. Natur pur! 

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