Für Bewegungen gemacht

© Interstuhl Büromöbel
© Interstuhl Büromöbel

„Mission Backbone“: Es geht also um das Rückgrat, um hohen Sitzkomfort und ergonomische Funktionalität: Moderne Büromöbel sollen vielfältige Haltungen und Bewegungen zulassen – ­und dabei auch noch schön sein.

von: Rudolf Preyer

Ein Erwachsener verbringt heutzutage bis zu 60 Prozent seines Tages im Sitzen. Wenn die Hälfte aller Krankenstands­tage europaweit auf Probleme des Bewegungsapparates zurückzuführen sind, lässt sich das Problem nicht mehr länger aussitzen: Wir brauchen ergonomische Büromöbel. Dabei wollen wir in diesen aber nicht vor Scham vergehen. Stylish und edel müssen sie schon sein.
Mit starkem Gestaltungswillen ausgestattete Bürotische und -sessel von heute: Viele Hersteller suchen die perfekte Kombination von Ästhetik, Komfort und ausgereifter Ergonomie.

„Belastete Volkswirtschaften“
Im April zog die Wirtschaftskammer Wien ihre bisherigen zehn Standorte im zentralen „Haus der Wiener Wirtschaft“ beim Praterstern zusammen. Alle 700 Arbeitsplätze wurden dabei mit elektrisch höhenverstellbaren Schreibtischen des burgenländischen Büromöbelherstellers Neudoerfler ausgestattet. Insgesamt soll die Bürolandschaft zu mehr körperlicher Aktivität stimulieren. Denn die gesellschaftlichen Veränderungen in den vergangenen 150 Jahren haben uns zwar „sesshaft“ gemacht. Falsches und stetes Sitzen belastet aber ganze Volkswirtschaften. Arbeitsmediziner erklären immer wieder die Wichtigkeit des regelmäßigen Wechselns zwischen Sitzen und Stehen. Nur die Abwechslung stärke die Konzentrations- und folglich die Leistungsfähigkeit – aber vor allem: die Gesundheit. Für das Arbeiten auf unterschiedlichen Ebenen und für höhenverstellbare Schreibtische empfiehlt Neudoerfler den HÅG Capisco (Designer Peter Opsvik). Dieser ergonomische Stuhl folgt quasi „in die nächste Sitzposition“. Er beugt daher einer starren Körperhaltung vor und regt die Muskelaktivität an. Das wiederum stimuliert die Blutzirkulation, verbessert die Sauerstoffversorgung und steigert die Aufmerk­samkeit. Das Design wurde von der dynamischen Sitzposition eines Reiters auf seinem Pferd inspiriert: Der „Reiter“ hat dabei einen großen Bewegungsradius vor- wie seitwärts. Der HÅG Capisco wurde für seine gesundheitsfördernden Eigenschaften und sein ikonisches Design mehrfach ausgezeichnet.

    Wechselnd sitzen bzw. stehen
    Wie gehen bei Bene Design und Ergonomie zusammen? „Mit seinem Portfolio hat Bene eine Produktwelt rund um den Funktionsbereich Konzentration und Reflexion entwickelt“, erklärt Geschäftsführer Michael Fried, der von einer „Lösungsvielfalt für ein maßgeschneidertes Arbeitsumfeld im jeweils passenden Design“ spricht. Geschäftsführer Jörg Schuschnig ergänzt: „Alle Arbeitsplatzsysteme von Bene bieten ein durchdachtes Lösungsangebot zur Strukturierung, Zonierung und Ausstattung von offenen Büroräumen. Sie bringen Nischen für konzentriertes Arbeiten und Inseln der Kommunikation ins Open Office.“ Zusammen mit einer vielfältigen Farb- und Materialauswahl sorgen sie so für eine angenehme Arbeitsatmosphäre, so Schuschnig. Die Arbeitstische STUDIO by Bene und DELTA wurden zuletzt mit internationalen Design-Awards (Red Dot bzw. German Design) ausgezeichnet. Elektrisch höhenverstellbar ist etwa auch das neue Modell LEVEL LIFT – wechselndes Arbeiten im Sitzen bzw. im Stehen ist dabei möglich. Der Drehstuhl RIYA mit seinen gerundeten Formen wiederum möchte einen Gegenpol zur gewohnten, „technoiden“ Drehstuhl-­Optik bilden.

    „Versteckte Funktionalität“
    Bei Wiesner-Hager Möbel folgt das Designkonzept dem Prinzip der „Hidden Functions“. Der Bürostuhl poi lässt sich auf die Körpermaße des Nutzers abstimmen. Mit etio hat Wiesner-Hager ein Bürotischprogramm entwickelt – vom Einzelarbeitsplatz über die Workbench (Arbeitstisch) bis hin zum elektrisch höhenverstellbaren Sitz-/Stehtisch mit dem charakteristischen A-Fußgestell aus Aluminium.
    Bei Sesseln sind für hali büromöbel Features wie eine Nackenstütze, eine vertikal verstellbare Lumbalstütze (erzeugt eine Lehnenwölbung im unteren Rückenbereich) und höhenverstellbare Armlehnen, um eine Ebene mit der Tischhöhe bilden zu können, ein absolutes „Muss“, so Prokurist Wolfgang Detzer. Der Consultertisch s570 unterstützt abwechslungsreiche Einzelarbeit im Sitzen oder im Stehen, bietet aber auch durch die abgewinkelte Arbeitsplatte die Möglichkeit für kleine spontane Meetings. „Sitzen in Bewegung“ ist das Motto des Drehstuhls Shape von Dauphin. Eine spezielle 3D-Balance-­Mechanik erlaubt dabei das Sitzen – mit kreisenden Beckenbewegungen – wie auf einem Sitzball.

    Automatische Gewichtsanpassung
    Wilkhahn hat in seinen neuen Konferenzsessel Intra (Phoenix Design) eine stufenlose Höheneinstellung und eine bewegungsfördernde – unsichtbar im Sitz eingebaute – Synchronmechanik mit automatischer Gewichtsanpassung integriert. Intra kommt mit glanzverchromten oder strukturmatt beschichteten Aluminiumgestellen und -armlehnen, die wahlweise mit Lederauflagen ausgestattet sind. Die Textil- und Lederkollektion für die Bezüge eröffnet Innenarchitekten einen breiten Gestaltungsspielraum, um unterschiedliche Atmosphären zu unterstützen. Unauffällig sind die Bedienhebel für die Höheneinstellung und die Synchronmechanik in Armlehnen und Sitzschale eingepasst. Ein eingearbeitetes Kopf- und Nackenkissen verspricht bei Intra Entspannung.

    Design und Materialforschung
    In Kooperation mit Garmin hat Interstuhl jetzt den Sensor „S 4.0“ entwickelt. Am Bürostuhl montiert, unterstützt dieser „Angestellte“ dabei, eine gesunde Sitzhaltung zu finden. Via App und Software übermittelt der Sensor Ratschläge für eine bessere Haltung und gibt Hinweise zur ergonomischen Einrichtung des Stuhls. Der Bürostuhl PUREIS3 (Design von Andreas Krob vom Büro b4k) weist den sogenannten „Smart Spring“ aus Poly­amid und Glasfaser entlang der Rückenlehne bis hinunter zur Stuhlsäule auf. Smart Spring unterstützt die Bewegungen des Sitzenden in alle Richtungen. Zuletzt: Ein Büroangestellter verbringt in seinem Arbeitsleben im Schnitt etwa 55.000 Stunden (bald ganze sieben Jahre) sitzend an seinem Schreibtisch, nur 3000 Stunden ­stehend und 6500 Stunden in Bewegung. Mit innovativen Steh-Sitz-Arbeitsplätzen kommt somit Dynamik in das Arbeitsleben, gesundheitliche Beschwerden nehmen erwiesenermaßen ab.

    So sitze ich richtig

    • Mindestens 50 cm Abstand zwischen Augen und Monitor
    • Um Spiegelungen zu vermeiden, gehört der Monitor in einem 90°-Winkel zum Fenster aufgestellt.
    • Die oberste Bildschirmzeile sollte leicht unterhalb der Sehachse liegen.
    • Tastatur und Maus bilden mit den Ellenbogen und den Handflächen eine Ebene.
    • Ober- und Unterarm sowie Ober- und Unterschenkel bilden jeweils einen 90°-Winkel.
    • Für die Füße braucht es eine feste Auflage.

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