340 Interior Design
© Wiesner Hager
Raum und Entspannung. M-Zone von Wiesner Hager lässt einen im Arbeitstrubel gern mal ausklinken.
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Frische, Freude, Freiheit

© Artemide
Raum und Ruhe. Silent Field von Artemide ist ein Hybrid für Beleuchtung und Akustik.
© Artemide

Eine kommunikative Sitzecke, ein geselliger Tischfußball, ein ruhiger Raum für den Powernap, ein höhenverstellbarer Tisch und ein ergonomischer Stuhl: Die Wunschliste für moderne Büros ist manchmal gar nicht so leicht zu erfüllen.

von: Barbara Jahn

Es wird spannend. Die Orgatec 2018 steht vor der Tür und gewährt neue, interessante Einblicke in die Welt des zukünftigen Arbeitens. Wer denkt, hier wäre schon alles gesagt, irrt. Auch wenn sich die Möbelbranche in diesem Bereich vielleicht nicht täglich neu erfindet – ihr Weg ist kontinuierlich, zielorientiert und zukunfts­gewandt. Ganz anders als bei der „großen Schwester“ im privaten Einrichtungssektor gibt man sich bei den Office-­Einrichtungen nicht mit dem derzeit sehr be­liebten Wiederkäuen von Klassikern ab. Die Ideen sind frisch, meist gut und in jedem Fall ein Schritt nach vorne.

Der Multispace kommt
Samir Ayoub, geschäftsführender Gesellschafter von designfunktion, ist einer derjenigen, die sich intensiv damit auseinandersetzen, wie sich Arbeit in Zukunft entwickeln wird. Zusammen mit dem Fraunhofer IAO und anderen Partnern hat er eine Studie initiiert, die unter dem Titel „Wirksame Büro- und Arbeitswelten“ die unterschiedlichsten Büroformen unter die Lupe nimmt. Die Studie, deren Ergebnisse einen manchmal nicken lassen, weil Thesen bestätigt werden, manchmal aber auch staunen lassen, weil unerwartete Ergebnisse nun schwarz auf weiß belegt sind, wurde im Vorfeld der Orgatec auf der Fachpressekonferenz in Amsterdam präsentiert. Die Studie zeigt, dass eine Multispace­-Arbeitsumgebung in unterschiedlichen Aspekten deutlich positivere Ergebnisse aufweist als andere Büroformen. Wenn in der Arbeitsumgebung eine Bandbreite an Raumoptionen vorhanden ist, die flexibel von allen Mitarbeitern genutzt werden kann, gibt es eine signi­fikant höhere Unterstützungsfunktion. Darüber hinaus wird Zusammenarbeit stärker gelebt, es besteht ein höhe­res Ausmaß an Selbstbestimmung und auch die Arbeitgeberattraktivität wird deutlich positiver bewertet. 54 Prozent der Studienteilnehmer erwarten zudem, dass sich Multispace zur dominanten Büroform in ihren Unternehmen entwickeln wird. Eine Multispace-­Arbeits­umgebung entspricht im Idealfall dem Prinzip des Activity Based Working. Es werden also für alle Tätig­keiten im Unternehmen die passenden Räume zur Verfügung gestellt. So kann der Mitarbeiter flexibel entscheiden, ob er einen Raum für Kreativität, Austausch, Telefonate, Bewegung oder Entspannung aufsucht. „Diese Vielfalt gibt es in einer Bürowelt mit klassischen Einzel- und Mehrpersonenbüros nicht“, sagt Experte Ayoub, der aus seiner eigenen Berufspraxis weiß, dass sich in acht von zehn Projekten die Unternehmen heute für offene Raumlandschaften entscheiden. „Die meisten davon sind Multispace-Konzepte. Bei deren Planung ist eine fundierte und frühe Bedarfs­erhebung im Unternehmen besonders wichtig: Welche Arbeitsstile herrschen in welchem Umfang vor? Welche Kommunikationsereignisse gibt es mit welchen Ausprägungen und welchen notwendigen Rahmen­bedingungen? Welche Tätigkeiten benötigen welchen Konzentrationsgrad?“

Die Menschen abholen
In der Studie wurde unter anderem festgestellt, dass die Arbeitgeberattraktivität steigt, je weniger hierarchische Strukturen räumlich abgebildet werden. Eine Multi­space-Arbeitsumgebung spiegelt am geringsten Hierarchien in der räumlichen Anordnung wider. Das ist für viele Unternehmen allerdings eine Herausforderung. Nach wie vor gibt es Mitarbeiter, die ab einer bestimmten Position ein Einzelbüro erwarten. Solche etablierten Statussymbole können nicht in kurzer Zeit aus der Welt geschafft werden. Bei einem Umzug in eine Multispace­-Arbeitsumgebung ist daher ein professionelles Change­-Management wichtig. Die Mitarbeiter müssen sich im wahrsten Sinne des Wortes abgeholt fühlen. Aber auch die Führungskräfte selbst müssen offen für den Wandel sein. Wird der Aufenthalt von Mitarbeitern im neuen Pingpong- oder Rückzugsraum negativ bewertet, werden diese Räume in Zukunft nicht mehr genutzt und ad absurdum geführt. Besonders spannend war, so Ayoub, dass in allen Büroformen ein Mangel an Rückzugsräumen besteht, selbst in einer Einzelbürostruktur. Eine Abfrage in unseren Projekten ergab, dass 75 Prozent der benötigten Rückzugsräume für zwei bis vier Personen konzipiert sind. Auf zehn Mit­arbeiter kommt ein Rückzugsraum dieser Größe. Um die richtige Anzahl an Rückzugsräumen feststellen zu können, ist eine umfassende Bedarfserhebung nötig.

Flexibilität beginnt im Kopf
Nun, da Anforderungen hoch und die Geschmäcker gut sind, werden gute Lösungen gesucht, um Erwartungen auch erfüllen zu können. Keine Frage, dass die Funktionalität hier an oberster Stelle steht. Wer sich damit und mit allem anderen beschäftigt, was so in das Office der Zukunft gehört, ist die Plattform mywork­space by staples, die Trends analysiert und Anregungen für sämtliche Themen hat. Im Fokus stehen unter anderem die zukünftigen Arbeitskräfte, eine Gruppe, zu der immer mehr der Generation Millenial gehören werden. Denn besonders junge Leute wünschen sich ein Büro, das mit der Zeit geht und neue, kreative Gestaltungsideen verwirklicht. Sie brauchen ein Büro, das den Anforderungen der modernen Arbeitswelt gewachsen ist und ihnen Raum und Möglichkeiten bietet, jeden Tag ihr Bestes zu geben, ist man sich bei myworkspace by staples sicher: „Das moderne Büro 2018 wird kreativer, digitaler und flexibler. Kein Wunder  – schließlich muss es auch mit den Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt Schritt halten und effektives Arbeiten in einem ansprechenden Umfeld möglich machen. Es lohnt sich zu überlegen, welche Trends zum Unternehmen und seinen Zielen passen und welche nicht – und dann die richtigen auszuwählen. Die Bürogestaltung sollte modern und trendig wirken, jedoch sollte das Unternehmen sich dabei selbst treu bleiben. Ein stimmiges Gesamtbild kommt bei der modernen Bürogestaltung schließlich nie aus der Mode.“

Das Green-Team
Klima ist in der Arbeitsumgebung ohnehin eines der wichtigsten Themen, um die Zusammenarbeit und den Workflow möglichst gedeihlich zu gestalten. Die positive Atmosphäre beginnt eigentlich bei der Stimmung, die stark durch die optische Umgebung gesteuert werden kann. Das fängt bei einer betont einladenden Einrichtung an, mit vielleicht eher erdigen Farbtönen und Holz­ober­flächen, hört aber bei Energieeffizienz, angenehmen Lichteinstellungen und ausgezeichneter Akustik noch lange nicht auf. Auf den Geschmack des Natürli­chen kommen immer mehr Gestalter, die auf pflegeleichte oder sogar pflegefreie Begrünungen in den Büro­räumen setzen. Gerade auf diesem Sektor gibt es viele Neuheiten wie das individuell gestaltbare Möbel Vitalion von Erwin Teufel, der ein echter Aquaponik-Experte ist. Ein Pflanzentrog und ein Aquarium bilden einen eigenen, sich selbstversorgenden Kreislauf, der niemanden in die Pflicht nimmt, dafür aber viel Freude spendet. Auch Art Aqua hat sich dem Grün im Office verschrieben und bietet wahre Frische im Open Space, im Korridor oder im Einzelbüro – sogar integriert als Moos in der Leuchte. Die natürlichen Elemente sorgen für gute Luft und mehr Ruhe, binden den Staub und sind eine willkommene Augenweide. Das hat mit dem verstaubten Kaktus rein gar nichts mehr zu tun.

Bloß kein Zwang
Die neu gewonnene Freiheit und Ortsungebundenheit dank technischen Equipments wie Laptops, Smart­phones, Cloudspeicher und Co. verändern die Arbeits­umgebung zunehmend. Dynamische Arbeitswelten liegen voll im Trend. „Stehplätze, Gruppen­arbeits­tische und Sekundärzonen ermöglichen ein flexibles Arbeitsumfeld, in dem sich Mitarbeiter frei bewegen und das sie an ihre aktuellen Aufgaben anpassen können. Besonders in Sekundärzonen sollten Ladestationen angebracht werden, um ein flexibles Arbeiten zu ermög­lichen. Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, kann auch Ladegeräte für gängige Smartphone und Laptop Modelle bereitstellen“, heißt es bei mywork­space by staples. So könnte zum Beispiel Studio by Bene – ein modernes und modulares Arbeitsplatz System, das insbesondere Menschen anspricht, die Beruf­liches und Privates eng miteinander verbinden und die sich in ihrer Arbeit nicht einem Nine-­to­-five-­Rhythmus unterordnen wollen oder können – ein Teil davon sein. Da sich Kreativität, Inspiration und Initiative nicht an bestimmte Orte und Zeiten richten, entwickelte Bene eine Produktlinie, die Tisch, Regal sowie Accessoires kombiniert. Man präsentiert damit ein Arrangement, das durch sein smartes Design sowohl im Büro als auch zuhause den individuellen Work- und Lifestyle unterstützt.

Nicht ad acta
Auch wenn der klassische Schreibtisch nur noch selten auftaucht und der Aktenschrank schon verbannt wurde, so wird es etwas Ähnliches doch immer wieder geben. Es wird nur anders aussehen. Seit einigen Jahren schon wird bei der Gestaltung neuer Arbeitsplätze sehr darauf geachtet, dass ein gewisser Wohlfühlfaktor – sprich Wohnlichkeit – nicht zu kurz kommt. Natürlich nur in einem Rahmen, der niemanden vergessen lässt, dass er eigentlich im Büro ist und nicht zuhause. Auf diesem Weg können Farben äußerst effektiv eingesetzt werden, die gleichzeitig die Corporate Identity unterstreichen, aber auch gemäß der Farbenlehre anspornen, kreativ sein oder entspannen lassen. Sie können aber auch dazu beitragen – übrigens genauso wie die richtige Um­gebung –, dass sich Menschen mehr mit ihrem Unternehmen identifizieren. Geräusche und andere Dinge, die ablenken, aber auch manchmal sich selbst als Person verschwinden zu lassen, wird immer wichtiger. Paradoxer­weise steigt der Anspruch proportional zum Wunsch nach Open Space. Doch wo sich diese Katze in den Schwanz beißt, sprießen die Früchte kreativer Interior Designer, die es manchmal zusammenbringen, alle Wünsche auf einmal zu erfüllen, wie mit Parentesit von Arper, wo Farbe, Intimität, Flexibilität und Schall­reduktion gleichermaßen berücksichtigt werden. Das perfekte Büro wird es vielleicht niemals geben. Aber viele haben sich auf den Weg gemacht, es annähernd zu erreichen. Die Werkzeuge dafür gibt es schon. Also Ärmel hochkrempeln! Es gibt noch viel zu tun.


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