357 Naturstein

Felsen in der Brandung

© Sölker
© Sölker

Sie sind gebaut für die Ewigkeit: Koste es, was es wolle, ein Hotel tut alles, um seine Gäste glücklich zu machen. Der Einsatz von Naturstein liegt da natürlich nahe. Er dient als Visitenkarte eines Hauses.

von: Barbara Jahn

Immer schon haftete Steinen etwas Unvergängliches und Luxuriöses an. Die ewige Schönheit ist dem Material gewiss, warum also nicht genau jene Orte ausstatten, die mit Schönheit direkt etwas zu tun haben, oder noch besser Orte, wo die Schönen sich einfinden.

Stein als Einladung
Schönheit ist natürlich etwas Relatives und liegt im Auge des Betrachters. Die Meinungen und Geschmäcker sind völlig verschieden und individuell, jedoch bei Stein gibt es kaum jemanden, der sich einer Berührung – egal ob mit Hand, Fuß oder dem ganzen Körper – entziehen kann. Hotels also, Tummelplatz all jener, die sich gerne mit schönen Dingen umgeben, sind das perfekte Szenario für Naturstein, der sich hier in allen Varianten und Formen entfalten kann. Sein Einsatz ist besonders hier gerechtfertigt, denn er vermittelt einerseits Wertigkeit und Solidität, zum anderen haucht er dem Ambiente etwas Luxuriöses, Kostbares und Einzigartiges ein. Ein Voll­treffer also, sind die Bäder eines Hotels damit ausgestattet oder aber auch die Böden und vielleicht sogar die Wände des Entrees, der Bars und Restaurants sowie eventuell sogar Teile oder die ganze Fassade.

Stein als Partner
Und genau hier setzt der Punkt an, der Naturstein in seinem echten Wert fassen lässt. Denn Gebäude müssen heute einem anspruchsvollen Leistungsprofil genügen. In der zeitgenössischen Architektur geht es um Energieeffizienz, Nachhaltigkeit, Sicherheit und Haltbarkeit, Wartungskomfort und Gebäude­klimatisierung. Fassadenkonstruktionen und Bodenbeläge aus Naturstein sind ­industriell konzipierte und gefertigte Produkte, die allen zeitgemäßen Anforderungen gerecht werden. Der Nutzen übersteigt langfristig bei Weitem die Investition und gilt als herausragende Visitenkarte eines Hauses, ganz egal in welchem Ausmaß dieses mit Stein ausgestaltet wurde. Das Ambiente aus oder mit Stein prägt sich ein und bleibt eine unerschütterliche Erinnerung eines jeden Gastes, der genau diese vielleicht gerne zu wiederholen versucht.

Stein als Medium
Es ist fast so, als wäre die Begegnung Stein und Mensch in Graubünden erfunden worden. Kaum ein Projekt in den letzten Jahr­zehnten hat sich so intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt wie die Therme in Vals von Peter Zumthor – die Ikone dieser Gattung. Hier spiegelt sich wunderbar die Geschichte mit der Schönheit wider: ein Ort des Wohlbefindens, das von innen, aber insbesondere von außen kommt. Das aus einheimischem Quarzit erstellte Thermalbad steht da, wo die einzige Thermal-Mineralquelle Graubündens aus dem Boden kommt und gilt seit seinem Bestehen als Werk von zeitloser Qualität und schlichter Eleganz. Es besinnt sich zurück auf das ursprüngliche Erlebnis des Badens: den Kontakt mit dem Stein und dem unterschiedlich warmen Wasser. Die Therme öffnet die Sinne für Düfte und Klänge, für das Rituelle des Badens. „Berg, Stein, Wasser – Bauen im Stein, Bauen mit Stein, in den Berg hineinbauen, aus dem Berg herausbauen, im Berg drinnen sein – wie lassen sich die Bedeutungen und die Sinnlichkeit, die in der Verbindung dieser Wörter stecken, architektonisch interpre­tieren, in Architektur umsetzen? Entlang dieser Fragestellungen haben wir das Bauwerk entworfen, hat es Schritt für Schritt Gestalt angenommen, lässt Peter Zumthor seine Gedanken fließen.

Stein als Schmuckstück
Naturstein liebt auch das Trockene, vor allem in Bauwerken, die eine große Vergangenheit haben. Etwa das Hotel Metropol in Moskau, direkt gegenüber dem Bolschoi Theater gelegen. Es blickt heute mit seinen 440 Zimmern und den kleinen intimen Salons auf eine 110-jährige Historie zurück und betört schon allein mit seiner facettenreichen Jugendstilfassade, die sich unter anderem auch der Qualität des Natursteins bedient. Im Inneren darf man erleben, was schon das Äußere verspricht: Edle, luxuriöse Ausstattung mit hochwertigsten Materialien wie Auskleidungen aus Marmor der Nischen in den Korridoren und Teile der Einrichtung von insgesamt 200 Badezimmern – um genau zu sein die Waschtische und Badewannenabdeckungen – mit Marmor Calacatta Oro und Kalkstein Manhattan Grey. Ausgeführt hat diese Arbeiten der Steinmetzbetrieb Franz Bamberger aus Traiskirchen in Niederösterreich. Nicht weniger geschichtsträchtig präsentiert sich auch das Hotel Alte Post in Schladming, das mit seinen 400 Jahren ein echter Kandidat für Naturstein ist. Ausführendes Unternehmen war hier Sölker, das neben präzisionsintensiven Fußbodenarbeiten auch den Tresen der Bar in ein steinernes Kunstwerk aus Marmor verwandelte.

Stein als Lebensgefühl
Die Entscheidungen für derartige Investitionen können keineswegs rational gesehen werden. Der Gast, der ein Hotel oder einen Raum betritt, spürt intuitiv, mit welchen Materialien er umgeben ist. Er erkennt relativ schnell, ob das Angebot und die Preise auch gerechtfertigt sind. Wie oft können wir dies auch selbst erkennen und fühlen uns dann „ausgenommen“, ohne zu wissen wieso. Oftmals lässt sich dies auch dadurch erkennen, dass gewisse Räume oder Lokale voll sind und andere wiederum leer, obwohl sie vielleicht ganz neu sind. Der Mensch lebt halt mal in seinen Emotionen und nicht in einer rationalen Welt. 

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