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Fast vergessene Architektur-Juwele

© Gisela Gary
Neubruck – Kapelle und Schloss
© Gisela Gary

Die Architektur aus den 20er Jahren verblüfft mit Gegenideen zwischen Wagner- und Loos-Schülern, mit Details, die heute schon fast vergessen sind. Und auch mit sensiblen Bauherren, die sich auf so manchen ungewöhnlichen Entwurf eingelassen haben.

von: Gisela Gary

Die zweite historische Architekturtour von „Orte Architekturnetzwerk Niederösterreich“ unter der fachkundigen Leitung von Maria Welzig und der Organisation von Orte-Geschäftsführerin Heidrun Schlögl führte ins Mostviertel über Mariazell bis ins Ötscherland und entlang der Donau in Richtung Melk. „Die Architekten, die in diesen Gegenden gebaut haben, haben alle mit ihren Entwürfen auf die Landschaft, auf die Besonderheiten des Mostviertels und des Ötscherlandes reagiert“, startete Maria Welzig, Kunsthistorikerin und Architekturvermittlerin, die Tour.

Vor allem Rudolf Frass, ein Wiener Architekt aus den 30er Jahren, begleitete mit seinen zahlreichen Bauten – Villen, Schulen und Hotels – die illustre Runde. Frass studierte bei Otto Wagner, entwickelte jedoch bald seinen eigenen Stil. Er plante eine Vielzahl an sezessionistischen Bauten, bei denen er jeweils einen starken Bezug zur Umgebung herstellte. Die neue Mittelschule in Lilienfeld stammt aus seiner Feder, ein Bau mit vielen Rundungen. Neue Sachlichkeit lautete der Stil, der 1929/30 erbauten und 1960 erweiterten Schule, die seit 1969 als Skihauptschule geführt wird und die heute als „Michaela-Dorfmeister-Schule“ bekannt ist. Wolfgang Labenbacher, ehemaliger Schuldirektor und jetziger Bürgermeister von Lilienfeld, schwärmt von der hohen Funktionalität der Schule: „Wir nützen die Schule immer noch so wie sie geplant wurde. Bei Renovierungen wird immer das Bundesdenkmalamt eingebunden, da gibt es dann halt auch oft Diskussionen. Aber wir haben alles so erhalten wie es Rudolf Frass geplant hat, auch die Farben und die Bronzefiguren seines Bruders Wilhelm Frass beim Eingang.“

Noble Försterbleibe
Auch Josef Hoffmann findet sich am Weg in Richtung Mariazell. Er plante für Karl Wittgenstein unter anderem die beiden Gebäude für die Forstverwaltung aus dem Jahr 1900. Die Details, die Eisenfenster, die
Fassade mit dem grob verputzten Erdgeschoß beeindrucken und verblüffen zugleich: Immerhin wurden die Gebäude „nur“ für die Forstverwaltung gebaut. Wittgenstein war ein Großindustrieller, der aber auch als Mäzen und Förderer der zeitgenössischen Kunst bekannt war. Er unterstützte maßgeblich den Bau der Wiener Secession.

Die Waldkirche, ein frühes Werk von Josef Hoffmann in St. Aegyd am Neuwalde, wurde ebenso mit tatkräftiger Unterstützung von Karl Wittgenstein errichtet. Die vorbildhaft renovierte Kirche ist inklusive der Stühle und Kästen in sehr gutem Zustand. Die Begeisterung für die Waldkirche und jedes Detail ist beim Pfarrer spürbar. Wie etwa Hoffmanns dezente Wiederholung des Kreuzes am Boden, an den Wänden und auch an den Bänken.

Romantischer Ötscherblick

2016 erfolgte eine umfassende Sanierung der ältesten evangelischen Kirche Österreichs in Mitterbach nach dem Plan von Ernst Beneder und Anja Fischer. „Es waren 280 Geheimprotestanten, die dieses Bethaus 1785 erbauten. Deshalb finde ich Architekt Beneders Idee, die Empore wiederzuerrichten und aus allen Namen das Geländer zu bilden, großartig“, so Pfarrer Lusche.

Das weiß-blau gestrichene Strandcafé am Erlaufsee aus den zwanziger Jahren lädt zu einem schnellen
Kaffee, bevor es in rund 20 Serpentinen bergauf nach Gösing weiter geht. Das 1921 erbaute Alpenhotel Gösing von Rudolf Frass diente ursprünglich vor allem als Unterkunft für die Arbeiter der Mariazeller-Bahn und später als Bahnhofshotel. Gut erhalten und sensibel saniert zeigt sich, dass den Eigentümern, der Familie Anton Feistl, der Wert des Architekturjuwels mit direktem Blick auf den Ötscher bewusst ist. Auch hier gibt es noch zahlreiche originale Einrichtungsgegenstände, Fassade und Fenster sind ebenso Originale.

Gemälde und bequeme Sitzbänke
Der Hallerhof von Rudolf Frass, heute ein Pflegeheim, verrät vor allem im großen Speisesaal die Feinheiten des Architekten. Bequeme Sitzbänke aus Eichenholz wie auch viele Nischen und Wandmalereien, die einfach schön sind – und schön auch, dass diese Details hier so respektvoll erhalten werden. Dem Töpperkapelle-Neubruck-Förderverein gelang es 2013, die Kapelle wie auch das nebenliegende Schloss von Neubruck im Traisental zu renovieren. Andreas Töpper, Eigentümer der größten Walzblechwerke der Donaumonarchie, ließ die Kapelle 1834 bauen.

Das Jugendstil-Highlight der Tour war die Kaiser-Franz-Joseph-Landes-Heil- und Pflegeanstalt Mauer-­Öhling (heute: Landesklinikum Mauer), geplant 1902 von Carlo von Boog, der auch das Pavillonsystem in Steinhof plante. Kaiser Franz Joseph wollte eine schöne Unterkunft für die „Irren“, mit einer weit­läufigen Parkanlage. Ursprünglich gab es 65 Pavillons und rund 1.200 Patienten. Heute sind es 440 Patienten, verteilt auf rund 30 Pavillons.

Im Villenviertel von Melk fällt ein Bau besonders auf: die Villa Loos, geplant von Joze Plecnik, mit Kacheln an der Fassade, mit Rundungen, unterschiedlich großen Fenstern und dennoch einer klaren strengen Linie. Gebaut 1901 für den Notar Hans Loos von Losimfeldt, der einfach meinte, „bauen Sie mir ein schönes Haus“. Die „Kachelvilla“ geht weit über den Jugendstil hinaus und gehört zu den bedeutendsten Villenbauten in Niederösterreich. In der Mansarde hatte der Maler und Mit­begründer der Wiener Sezession Ernst Stöhr sein Atelier. Bis zum 1. Weltkrieg war die Villa ein beliebter Künstlertreffpunkt.


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