Wettbewerbe

EUROPAN 14

© Europan Österreich und die Stadt Graz
Wettbewerbsgebiet Graz
© Europan Österreich und die Stadt Graz

Die vierzehnte Wettbewerbsrunde von EUROPAN widmete sich dem Thema „Die produktive Stadt“, und rückte damit ein jahrzehntelanges „Stiefkind“ der Stadtentwicklung in den Mittelpunkt der Diskussion.

Auslober
EUROPAN Österreich, Europäische Plattform für Architektur und Urbanismus

Art des Wettbewerbs

Das Wettbewerbsverfahren ist anonym, europaweit offen und als einstufiger Ideenwettbewerb mit anschließendem Umsetzungsprozess angelegt.

Gegenstand des Wettbewerbs
In den letzten Jahrzehnten vollzog sich in ganz Europa eine umfassende Stadterneuerung, die den Begriff der durchmischten Stadt etabliert hat. Jedoch wurde damit gleichzeitig ein einseitiges Bild der Durchmischung propagiert. In diesem Bild bildet Wohnen nach wie vor das vorherrschende Programm in den Stadtentwicklungsgebieten der post-industriellen Ära. Es wird „sinnvoll“ ergänzt durch Büroflächen und öffentliche Einrichtungen, durch Kultur, Geschäften und Gastronomie, damit sich ein authentischer, lebendiger und urbaner Stadtteil entwickeln kann. Rückblickend muss allerdings festgehalten werden, dass in dieser gefälligen Durchmischung ein wichtiger Aspekt systematisch ausgeschlossen wurde: die produktive Ökonomie.

Unter dem Thema „Die produktive Stadt“ propagierte Europan14 den frischen Blick auf die Frage der durchmischten Stadt. Wenn wir von alternativen Energie- und hybride Nutzungskonzepte sprechen, die dem Bedürfnis der Menschen nach einer Stadt der kurzen Wege genügen, dann muss das produzierende Gewerbe zum integralen Bestandteil unserer Vorstellung von einer Vielfalt der Lebensweisen, Kulturen und Nutzungen werden.

Durch neue technologische Entwicklungen steigen einerseits die Möglichkeiten der Integration produzierender Arbeit in der verdichteten Stadt. Andererseits lassen neue Praktiken des Alltags zunehmend die Grenzen zwischen Gewerbe, Wohnen und Handel verschwimmen. Neben dem gesellschaftlichen Bedürfnis, Wohnen und Arbeiten wieder enger miteinander zu verbinden, trägt auch das Bewusstsein, Ressourcen zu schonen und lokale Stoff- und Wertschöpfungskreisläufe zu stärken, dazu bei, Orte der Produktion, sofern sie nicht die Lebensqualität beeinträchtigen, wieder in die Stadt zu integrieren. Dabei ging es um die Transformation monofunktionaler Wohngebiete zu produktiven Quartieren ebenso wie um eine Belebung von Stadtgebieten, die überwiegend durch Büros und gewerbliche Nutzungen geprägt sind. Und nicht zuletzt war das Gebäude selbst Teil der produktiven Stadt.

Österreichische Europan-Standorte
Graz
A case study for an extraordinary strip
Die Kärntner Straße im Süden der Stadt Graz zeigt exemplarisch die generische suburbane Einfahrtsstraße der europäischen Stadt. Am höchsten frequentiert und gesehen – und doch am meisten vernachlässigt, definiert sie die ersten Impressionen der städtischen Identität von Graz. Innovative Formen der Nachverdichtung, Programmierung und Neugestaltung sind gefragt um den öffentlichen Raum mit seinen dahinterliegenden Wohnteppichen besser zu vernetzen und zu einem einzigartigen urbanen Boulevard mit einem qualitativen Wohn- und Arbeitsumfeld für Alle zu gestalten.

Linz
Main Station – Productive Hub

Der zentrale Linzer Standort liegt direkt südlich vom Hauptbahnhof. Mit einem gemischt genutzten Stadtquartier (Neue Formen der Produktion, Arbeiten, Wohnen, kommerzielle und soziokulturelle Einrichtungen) soll ein produktiver Hub zwischen der historischen Altstadt und dem Süden der Stadt gelingen. Gefragt sind neue anpassbare Typologien und Strategien der Integration innovativer Produktionsformaten, die den Standort auch als Arbeitsplatz und Produktionsstätte innerhalb der Stadt verankern und neu vernetzen.

Wien
Experiment as method: The birth of industrial city Liesing

Mit drei Europan Implementierungen (E7, E8, E10) ist Wien Liesing bereits einzigartig. Mit Europan14 wird ein ambitioniertes Pilotprojekt initiiert: Ein neues Setting innovativer Typologien soll einen ´Magical-Mix´ an Produktion, Bildung und Serviceeinrichtungen anbieten und potentielle Synergien schaffen. Nach dem strategischen Masterplan-Konzept ´Standpunkt Liesing´ und der Case-study ´Lab-Liesing´, fragt nun Europan14 nach einer architektonisch-städtebaulichen Strategie um die ´Produktive Stadt Liesing´ zu starten.

Teilnahmeberechtigung
Architekten, Stadt- und Landschaftsplaner unter 40 Jahren, wobei auch Wert auf interdisziplinäre Kooperationen gelegt wird.

Jurysitzungen
1. Runde: Lokale Fachkommissionen in Österreich: September 2017
2. Runde: Internationale Jury in Helsinki, Finnland: 22. Oktober  2017
Bekanntgabe der Ergebnisse online: 1. Dezember 2017

Preisverleihung
16. Jänner 2018 19 Uhr afo Architekturforum Oberösterreich, Linz

Ausstellung der Ergebnisse
16. Jänner 2018 - 3. Februar 218 afo Architekturforum Oberösterreich, Linz
2. Mai 2018 – 1. Juni 2018 HDA Haus der Architektur, Graz

Informationen und weitere Preisträger
europan.at
europan-europe.eu

Graz

1. Preis
Unfolding the fan – Kärntner-BoulevardTR: Radostina Radulova-Stahmer/StudioD3R (DE) – architect, urbanist

Das Projekt “Unfolding the Fan – Kärntner-Boulevard” konzentriert sich auf drei Kernpunkte: die Stärkung von Querverbindungen, die Identifikation unterschiedlicher Sequenzen und die Bündelung von Grundstückparzellen. Es werden großräumige Querverbindungen zwischen der Kärntner Straße und den Grünzügen in der weiteren Umgebung vorgeschlagen, um wichtiger Kreuzungspunkte mit Potenzial für neue Zentralitäten zu definieren. An den Kreuzungspunkten bilden großzügige öffentliche Plätze neue Zentren für die Kärntner Straße, die sich innerhalb von vier Abschnitten unterschiedlich entwickeln kann. Um die strikte Linearität der Straße aufzubrechen, werden die Häuserblöcke fächerartig angeordnet, womit weitere öffentliche Bereiche entlang der Straße gebildet werden. Auf diese Weise wird der „lineare Transittunnel" der Kärntner Straße aufgelockert, gleichzeitig entstehen attraktive öffentliche Räume. Die beidseitige Bebauung mit Mischnutzungen bildet spannende Raumsequenzen und gibt dem Straßenraum eine starke Identität. Die durchlässigen Häuserblöcke ermöglichen eine Querdurchwegung, die terrassenförmigen Gebäude stellen eine gelungene Überleitung zur niedrigen Bebauung des bestehenden Wohngebietes im „Hinterland“ dar.

Special Mention
Good Morning City
Natalia Vera Vigaray (ES), Francisco Javier Martin Dominguez  (ES), Tijn van de Wijdeven
Bangkok (Thailand)

Das Projekt „Good Morning City!“ schlägt eine offene Hoftypologie entlang der Kärntner Straße vor. Dabei soll die Einbindung bestehender Gebäude und Grundstücke zwischen der formaleren Entwicklung an der Kärntner Straße und der informellen Entwicklung der bestehenden Wohngebiete vermitteln. Die Höfe der Häuserblöcke beherbergen sowohl produktive als auch gemeinschaftliche Einrichtungen, und stellen einen Ort dar, an dem sich Wohnen und Arbeiten mischen. Ein detaillierter Stufenplans präsentiert Szenarien für eine schrittweise Entwicklung der neuen Häuserblöcke, des Straßenprofils der Kärntner Straße und der öffentlichen Bereiche.

Special Mention
Backyard Forward

Anna Ilonka Kübler, Christiane Kolb, Leonard Higi (DE)

Stuttgart, Deutschland

Das Projekt „Backyard Forward!“ sieht beidseitig an der Kärntner Straße eine offene Hoftypologie vor, die sowohl produktive Funktionen als auch Wohnen beinhaltet. Durch die Unterteilung bestehender Straßenblöcke in kleinere Einheiten werden intime Innenhöfe mit unterschiedlichen Identitäten geschaffen, gleichzeitig wird eine klare Trennung zwischen Innen und Außen konzipiert. Die Typologie erlaubt die Kombination kleinmaßstäblicher Produktionsstätten mit Wohnraum und anderen Nutzungen. Zusätzlich werden mehrere ortsspezifische öffentliche Einrichtungen vorgeschlagen, die die Kärntner Straße strukturieren und ein vielfältiges kommunales Funktionsprogramm bieten. Das Ziel des Projekts ist es, eine robuste Nachbarschaftsstruktur mit florierender Wirtschaft und einem starken Gemeinschaftssinn zu erzeugen.

Linz

Es gab drei zweite Plätze:

Fablinz – Commons of production   
TR: Andrea Chiarelli (IT) – architect
AS: Enrico Ferraresi (IT) – architect; Giacomo Magnani (IT) – urban planner; Gabriella Dora Romito (IT) – architect urbanist
London – nUK

Das Projekt „FABLINZ – Commons of Production“ weist ein starkes, aber auch herausforderndes strategisches Konzept des Miteinanders verschiedener regionaler und lokaler Akteure auf und gibt der „Software“ der produktiven Stadt eine besondere städtebauliche Bedeutung. Der bautypologische Ansatz basiert auf der Modifikation des Blockrands, dessen dreidimensionale Auflockerung zu neuen Mischformen zwischen Arbeiten/Werkstatt und Wohnen anregen soll. Der Block wird aufgelöst in programmatische Einzelteile, deren Erdgeschoss offen und variabel besetztbar ist. Es entsteht ein hochdurchlässiges urbanes Feld mit spannenden räumlichen Abfolgen. Die ausgewogene „Körnungsmischung“ der Baustruktur besitzt hohes Potential zur Nachverdichtung. Das Areal wird an die Innenstadt mittels eines Brückengebäudes angebunden.

Rock the block
TR: Lorenzo Ciccu (IT) – architect urbanistAS: Simone Langiu (IT) – architect urbanist; Elisabetta Sanna (IT) – landscape architect; Roberta Serra (IT) – landscape architect; Carlo Pisano (IT) – architect urbanist
Berlin – Deutschland

Das Projekt verfolgt einen „klassischen“ städtebaulichen Ansatz. Der Vorschlag basiert auf dem System eines Rasters, in den drei große öffentliche Räume integriert: der Unionpark als Zentrum des Areals, ein linearer Park entlang der Gleise, welcher als Pufferzone agiert, und der Wiener Platz als Hauptplatz und multifunktionalen Treffpunkt im Süden des Geländes. Die Bebauung selbst basiert auf einer Blockrandtypologie mit Hochpunkten und überdachten Innenhöfen. Verschiedene kleinere öffentliche Räume lockern das strenge orthogonale Gitter auf und beherbergen verschiedene Programme, die über die Zeit anpassbar sind. Eine überörtliche Einrichtung - der „Techno-Hub“ - wird vorgeschlagen, um Kapital und Fachwissen anzuziehen. Überreste aus dem ehemaligen Industriestandort werden in den neuen Stadtplan integriert. Der Standort ist mittels einer Brücke mit dem Stadtzentrum verbunden.

Pro_Linz Productions unlimited
TR: Cornelia Bräuer (AT) – architect
AS: Paloma Montoro Delgado (ES) –  architect; Airam González Dorta (ES) – architect
Wien

Das Projekt versucht mittels einer einzigen großflächigen Bebauungsstruktur alle Aspekte von Stadt in einen „Teppich“ zu integrieren. Innerhalb der vorgeschlagenen Megastruktur gibt es eine deutliche Zonierung zwischen dem aktiven, produzierenden Erdgeschoss und der darüberliegenden kleinstrukturierten Wohnebene. Zur nördlich angrenzenden Bahntrasse wird eine Scheibe vorgeschlagen, die ein signifikantes Gebäude zum Bahnhof hin bildet und einen vertikalen Akzent gegenüber der horizontalen Struktur der Teppichbebauung setzt. Ein direkter Gleisanschluss im Sockelbereich der Scheibe wird vorgeschlagen, um die Möglichkeit einer direkten Anbindung an das Schienennetz zu integrieren. Durch eine großzügige Passage unterhalb der Bahn wird das Areal zur Innenstadt angebunden. Die ÖBB-Zentrale wird am gegenwärtigen Standort erweitert.

Wien

1. Preis
3L’s for Liesing
TR: Vicente Iborra Pallarés, Playstudio (ES) – architect
AS: Iván Capdevila Castellanos, Playstudio (ES) – architect
CO: Jorge Luís Socorro Batista (ES) – architect; Marina Bonet Bueno (ES) – student in architecture; Alberto Carbonell Crespí (ES) – student in architecture; Riccardo Galandrini (IT) – civil engineers-architect; Agustín Morazzoni (AR) – student in architecture
Alicante – Spain

„3L’s for Liesing“ implementieren den Mehrwert des Industrieclusters über eine Konfiguration von Gebäudetypen, die durch eine dreidimensionale Programmatik aufgeladen werden. Dabei bilden drei Elemente, das Grüne L (Grünelemente), des Rote L der Industriezone Liesing, sowie des Liesinger L die Basis für die urbane Strategie. Vorgeschlagen werden modulare, laborhafte Typen, die ein Puzzle der genannten Ls darstellen: Das spektakuläre rote „L“, bildet den Infrastrukturkern, das grüne „L“ die produktive Schale. Den Raum dazwischen füllen die flexiblen „L“ofts, flexible Plattformen für produktive Einrichtungen. Die Art und Weise, wie diese drei „Bedingungen“ kombiniert werden, ist auszuverhandeln und im Dialog mit den Akteuren zu präzisieren. Neben der Flexibilität der Gebäude würdigt die Jury vor allem die Präsenz der drei "Ls". Sie verleihen dem Projekt einzigartige funktionale Eigenschaften und Identität gleichermaßen, womit es als Flaggschiff-Projekt für das gesamte Gebiet wirken kann. 

2. Platz
potent-IAL – From Industrial Area to Productive Neighbourhood

Blaž Babnik Romaniuk, Rok Staudacher, Mojca Mlinar, Dominik Kosak, Katja Saje (Sl)

Ljubljana, Slowenien

Das Projekt „potent-IAL – From Industrial Area to Productive Neighbourhood“ schlägt ein effizientes Teilen von Ressourcen und eine verstärkte Integration aller Stakeholder zur Synergieschaffung im gesamten Gebiet vor. Um die Dichte und Diversität an Nutzungen zu erhöhen wird eine Typologie entwickelt, die zuvor „Unkombinierbares“ - wie eine laute Produktionshalle mit leisen Büroräumlichkeiten – kombiniert. Der in der urbanen Strategie transportierte Quartiersgedanke initiiert eine mittel- bis langfristig wirkende strukturelle Verbesserung des gesamten Quartiers durch Schaffung gemeinsamer Synergien und bietet einen übergreifenden städtebaulichen Mehrwert.


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