347 Editorial

Erdverbunden, archaisch und kompromisslos

Foto: © Raphael Kanfer

Die neue Ausgabe widmet sich ganz dem Thema Massivbau. Aus diesem Grund wird das ARCHITEKTURJOURNAL WETTBEWERBE im Dezember international.

von: Roland Kanfer

Auf unseren Streifzügen durch Deutschland, die Schweiz, Belgien, Frankreich, Mexiko, Oman, Katar, Austra­lien – und selbstverständlich Österreich – präsentieren wir herausragende Architektur in Sichtbeton, Sichtziegelmauerwerk und Naturstein. Dass Architektinnen und Architekten das Gestalten mit diesen erdverbundenen, archaischen und kompromisslosen Materialien lieben, weiß die Baustoffindustrie, und sie weiß auch, wie sie die Baukünstler locken kann. Ob Ziegel-, Beton- oder Natursteinawards – baustoffspezifische Architekturauszeichnungen boomen. Einer der Preisträger des deutschen Ziegelpreises 2019, das mit einer Fassade aus Handformklinkerziegeln errichtete Wohnhaus am Buddenturm in Münster, wurde zugleich vom Deutschen Architektur Museum Frankfurt zum Haus des Jahres 2019 gewählt. Der Neubau des Historischen Museums Frankfurt wurde 2018 mit dem Deutschen Natursteinpreis ausgezeichnet. Und die Erweiterung des Sprengel Museums in Hannover, ein Quader aus grauem Sichtbeton, bekam den deutschen Architekturpreis Beton 2017.
Grauer Sichtbeton ist auch das Markenzeichen der von Alexa Zahn geplanten Volksschule in der SmartCity Graz, die wir in dieser Ausgabe präsentieren. Deren Wettbewerb hatten wir 2016 dokumentiert. Damit bleiben wir, trotz des internationalen Rundblicks in dieser Ausgabe, selbstverständlich unserer Blattlinie treu und begleiten Projekte vom Wettbewerbsgewinn bis zur Realisierung.

Ironisch-kritisch
Gustav Peichl (1928–2019) hat das Klischee des langlebigen Architekten bedient. Erst im Alter von 78 Jahren, 2006, übergab er sein Büro an seine Nachfolger, die den Namen Peichl als Marke bis 2012 weiterführten. Eloquent, scharfsinnig und ironisch-kritisch blieb der als Ironimus einer breiten Öffentlichkeit bekannte Kommentator aber auch danach. Er hatte in den 1950er-Jahren die Karikatur als gezeichneten politischen Kommentar etabliert und setzte mit seinen ORF-Landesstudios architektonische Landmarks. Der Schüler von Clemens Holzmeister war ein Verfechter der rationalen, funktionalen, nicht an Moden orientierten ­Archi­tektur. Am 17. November verstarb Gustav Peichl im ­92. Lebensjahr.

Liebe Leserinnen und Leser, das gesamte Team des ARCHITEKTURJOURNAL WETTBEWERBE wünscht Ihnen erholsame und friedliche Feiertage sowie einen guten Jahresbeginn!


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Termine

Best High-Rises 2022/23

Datum: 10. November 2022 bis 22. Januar 2023
Ort: Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main

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