355 Naturstein

„Ein Stein darf eine Geschichte erzählen“

© Lothar Reichel
Für die Zeiten nach Corona: Hinter­leuchteter Onyx ist ein Klassiker in der hochwertigen Innenraumgestaltung.
© Lothar Reichel

Wie Naturstein zu einem wertigen und funktionalen Raumerlebnis in der Büroraumplanung und im Objektbau beiträgt, erklärt DI Martin Luptacik von der NEXT OFFICE GmbH in Wien.

von: Richard Watzke

Wodurch zeichnet sich ein gelungener Innenraum aus?
Martin Luptacik: Ein Innenraum ist dann gelungen, wenn er die vom Auftraggeber geforderten formalen und funktionalen Kriterien erfüllt. In der Regel werden Büroräume alle sieben bis zehn Jahre verändert. Zeitgemäße Räume sollen daher Adaptierungen und Interventionen der Nutzer ver­tragen. Veränderungen oder Eingriffe der Mieter betreffen vorwiegend das Mobiliar, die Farbgebung und Beleuchtung. Wir schaffen keine musealen, „starren“ Räume, sondern Orte, die den Anforderungen der Nutzer angepasst werden können. Im Objektbau setzen wir Naturstein allem in Begegnungsbereichen wie Bar und Küche ein. Die Anforderungen von Auftraggebern, die Mieter sind, weichen natürlich von den Vorstellungen der Klienten ab, die zugleich Inhaber der Immobilie sind. Die Lage, die technische Infrastruktur und auch die Ausstattung beeinflussen maßgeblich die Attrak­tivität von Büroräumen. Investoren wünschen daher langfristige Lösun­gen und dauerhafte Werkstoffe. Hier trägt die Ausstattung zugleich zum Wert­erhalt der Immobilie bei.

Wie haben sich die Anforderungen an Innenräume seit Corona verändert?
Die größte Veränderung innerhalb der Arbeitswelten ist das Homeoffice. Niemand hätte eine so weitreichende und kurzfristige Veränderung für möglich gehalten. Arbeitnehmer wechseln je nach Tätigkeit zwischen dem Arbeiten zu Hause und der Anwesenheit am Arbeitsplatz im Unternehmen. Im klassischen Büro werden die Flächen nicht automatisch weniger, sondern unterliegen einer Transformation der Funktionen. Der klassische, fixe Arbeitsplatz am Schreibtisch wird häufig nicht mehr benötigt. Desksharing, also das Teilen des Arbeitsplatzes, nimmt zu. Während des ersten Lockdowns haben wir eine Sehnsucht der Mitarbeiter nach der gewohnten Arbeitsumgebung außerhalb des familiären Umfelds festgestellt. Seitdem rücken Funktionen wie Wissensaustausch, Begegnung und Kommunikation im Büro stärker in den Mittelpunkt. Meetingräume, auch in kleineren Einheiten und mit unterschiedlichen Ausstattungen, sind gefragt. Neben dem klassischen Besprechungsraum mit langem Tisch gestalten wir kleine Raum­einheiten mit Sesseln, kleinere Nischen oder auch ein Atrium mit Smartboard. Dazu passen wir die Räume an die Arbeitskultur und Technologie des jeweiligen Auftraggebers an. Da wir im Arbeits­alltag beinahe ununterbrochen kommunizieren, stellen wir bei Bedarfsanalysen ein steigendes Bedürfnis nach Ruhe und Rückzugsgelegenheiten für konzentriertes Arbei­ten fest.

Wie passt Naturstein in die moderne Raumplanung?
Normalerweise verbringen wir mehr aktive Zeit am Arbeitsplatz als im privaten Umfeld zu Hause. Daher erfahren natürliche Materialien wie Naturstein eine steigende Wertigkeit. Generell rücken natürliche Werkstoffe stärker ins Bewusstsein der Kunden und Planer. Bürogebäude werden zertifiziert, der CO2-Fußabdruck und Lebenszykluskosten bis zur Entsorgung eines Bauteils sind wichtige Faktoren. Auftraggeber achten schon im Vorfeld stärker darauf, welche Baustoffe zum Einsatz kommen. Materialien, die sich nach Ende der Nutzungsdauer gut trennen lassen, werden daher bevorzugt.

Ist Naturstein in Innenräumen eher funktional oder emotional?
Ein Raum funktioniert immer nur als Ganzes, als Summe aller Details. Das gilt für Böden, Wände, Decken und das Mobiliar. Es gilt, einen Spannungsbogen zwischen Funktion und Emotion zu erzeugen. Wird Naturstein als belastbarer Bodenbelag gewünscht, suchen wir Sorten aus, die neben der Er­füllung der technischen Anforderungen zugleich optisch zu einem wertigen Raumeindruck beitragen. Statt eine sterile, monotone Fläche zu bilden, darf ein Stein durch seine Textur in gewissem Maße eine natürliche Vielfalt in den Raum tragen. Eine Bodenplatte aus Granit oder Kalkstein darf durchaus zeigen, dass sie ein Unikat ist. Wir setzen in unseren Projekten daher je nach Verwendung des Raums oder Bauteils auch spaltrauen Schiefer oder transluzenten Onyx ein. Wenn die Richtung der Textur bereits bei der Planung und Bemusterung berücksichtigt wird, können Natursteine räumliche Tiefe erzeugen. Das gilt nicht nur für Spiegelungen von Platten, sondern auch für Abwicklungen, bei denen die Textur fortläuft. Die Materialwahl hängt immer auch von der spezifischen Funktion des zu gestaltenden Raums ab. Für den Verkaufsraum eines Lebensmittelherstellers haben wir schwarze Natursteine mit punktueller Beleuchtung vorgeschlagen, die die davor präsentierten Produkte in ihrer Buntheit und Wertigkeit am besten zur Geltung bringen. Hier würden strukturierte oder bunte Steine ablenken. 

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