352 Projekte

Differenziert und ausdrucksstark

© Hertha Hurnaus
Die vertikalen Falze der Blechbahnen sorgen für eine optische Strukturierung der Fassaden.
© Hertha Hurnaus

Volks- und Berufsschule Längenfeldgasse, Wien / PPAG architects

Die Erweiterung der Pflichtschulen hat für die Stadt Wien höchste Dringlichkeit. Mit konstruktiv einfachen Mitteln soll der steigende Bedarf an Volks-, Mittel- und Berufsschulen im dicht verbauten Stadtgebiet gedeckt werden. Eines dieser unter der Programmschiene „PFERD“ (Pflichtschul-Erweiterungsprogramm-Dringend) firmierenden Projekte ist die im Herbst 2020 neu eröffnete Volks- und Berufsschule in der Längenfeldgasse in Wien-Meidling. Eine ungewohnte Kombination, verfolgt die Stadt sonst doch die Strategie, Grund- und Mittelschulen zu Bildungsclustern zu vereinen. In diesem Fall teilen sich 17 Volksschulklassen das sechgeschoßige Gebäude mit 23 Klassen, in denen Schüler für ihren Beruf in der Lebensmittel-, Touristik- und Zahntechnikbranche ausgebildet werden.

Gewonnen haben den 2016 von der MA 56 ausgelobten Architekturwettbewerb PPAG Architekten mit einem differenzierten Baukörper, bestehend aus einem zweigeschoßigen Sockel mit einem darüber liegenden viergeschoßigen, stark strukturierten Riegel an der Ecke Längenfeldgasse/Steinbauergasse. Damit konnte die bisher etwas zufällig endende Bebauungsstruktur der bestehenden Berufsschule städtebaulich gefasst und zu einem Abschluss gebracht werden. Städtebau, Baukörperkomposition, architektonischer Ausdruck, funktionale Lösung, räumliche Qualitäten und die wirtschaftliche Umsetzbarkeit – bei all diesen Aspekten erhielt das Projekt im Wettbewerb von der Jury (Vorsitz: Architektin Bettina Götz) die Bestnoten.

Stark strukturierter Baukörper
Die Volksschule besteht aus vier Clustern, die als horizontaler Baukörper mit Innenhof im ersten Obergeschoß liegen. Über zwei breite Treppen ergeben sich kurze Anbindungen an die Aula, Verwaltungsbereiche, Garderoben, Kreativbereiche und den Speisesaal. Die Schüler kommen von dort auch zu den großen Frei­räumen im Garten, zum Innenhof und auf die Dachterrasse. Diese Terrasse macht gemeinsam mit den in den Ebenen springenden, sich nach oben hin verjüngenden Terrassen die markante Differenzierung des Entwurfs von Anna Popelka und Georg Poduschka aus. Die Berufs­schule bildet als vertikal strukturierter Riegel den nördlichen Abschluss des Baukörpers über der Volksschule und reicht vom zweiten bis zum vierten Ober­geschoß, wobei das Volumen vertikal nach oben hin abnimmt. Im Dachgeschoß sind eine Übungsfirma für die Berufsschüler und der Pausenraum untergebracht. Im zweiten Stock gibt es Zusatzklassenräume, die über eine interne Treppe von der Volksschule aus erreichbar sind. Im Erdgeschoß können sich die Schülerinnen und Schüler beider Schulen treffen. Die große innere Aula der Volksschule wird von oben über eingeschnittene Höfe mit natürlichem Licht versorgt und erlaubt Sichtbeziehungen zur Straße und zum Garten.

Silbrig-graue Haut
Mit einem überdachten Vorplatz öffnet sich das Schulgebäude zur Straße hin und bildet zusammen mit dem bestehenden Berufsschule-Campus, der Volkshochschule und dem Festsaal ein städtebauliches Zentrum. Markantes Merkmal des Schulgebäudes ist, neben der Ausdifferenzierung des Baukörpers, die Fassadengestaltung. Mehr als 20.000 Quadratmeter perforiertes Aluminium-Falzblech hüllen das Gebäude in eine silbrig-­graue Haut. Die vertikalen Falze der einzelnen Blechbahnen sorgen für eine zusätzliche optische Strukturierung der Baumasse. Die Tragkonstruktion aus Stahlbeton ist mit Ziegeln ausgefacht und mit integriertem, außen liegendem Sonnenschutz ausgestattet. 

Projekt
Erweiterung der ganztägigen Volksschule und Berufsschule
Längenfeldgasse 13–15, 1120 Wien

Bauherr
Stadt Wien, vertreten durch MA 56 – Wiener Schulen, Mollardgasse 87, 1060 Wien

Architektur
PPAG architects, Wien / Berlin
ppag.at

Landschaftsplanung
EGKK Landschaftsarchitektur, Wien

Statik
Werkraum Ingenieure ZT GmbH, Wien

Projektdaten
Grundstücksfläche: 26.679 m²
Bebaute Fläche: 3086 m2
Nutzfläche: 7722 m2
Bruttogeschoßfläche: 10.743 m2

Materialien
Bauweise: Tragkonstruktion Stahlbeton
Innenwände: Stahlbeton-Ziegel, nicht tragend: Gipskarton
Fenster / Türen: Aluminiumfenster, Innentüren: Dekorspanplatten mit Einlage in Stahlzargen
Aluprofile mit Glasfüllung
Böden: innen Terrazzo/Parkett, außen Feinsteinzeug

Fassade
Aluminium; Stehfalzblech perforiert: BEMO Systems GmbH, Ilshofen-Eckartshausen (D)
bemo.com/de

Projektablauf
Wettbewerb 02/2016 (1. Stufe), 05/2016
Planungsbeginn 06/2016
Baubeginn 05/2018
Fertigstellung 09/2020

Wettbewerbsdokumentation: ARCHITEKTURJOURNAL / WETTBEWERBE 3/2017 (332) 

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