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Die Rückkehr des Steildachs

© Hertha Hurnaus
Offene Dachräume bringen Licht ins Innere.
© Hertha Hurnaus

In den letzten Jahren ist ein Trend in der Einfamilienhausarchitektur zu bemerken: Das Steildach ist nicht mehr böse. Es kann, neu interpretiert, auch in der modernen Architektur seinen Platz finden.

Wer „ein Dach über dem Kopf hat“, der fühlt sich beschützt. Das Dach schützt vor Wind und Regen, Schnee, Stürmen und Kälte und schirmt die Bewohner von der Außenwelt ab. Unter dem Dach eines Gebäudes versteht man den oberen, abschließenden Gebäudeteil, bestehend aus einem Dachtragwerk und einer Dachdeckung. In der Architektur wird das Dach meist als fünfte Fassade bezeichnet. Der Aufbau des traditionellen Steiloder Satteldachs ist relativ einfach. Zwei große Dachflächen laufen schräg mit einer Neigung von mindestens 22 Grad von den großen Hauptseiten eines Gebäudes auf­einander zu und treffen sich am Dachfirst, dem obersten Teil des Daches. Unten wird das Dach von der Traufe begrenzt und seitlich vom Ortgang. Sonderformen des Steildachs sind das Rhombendach, das Schleppdach oder das Schmetterlingsdach.

Der Bruch mit dem Steildach
Das Flachdach kam nach dem Ersten Weltkrieg in Europa und den USA in Mode. Vertreter der Moderne propagierten es als Bruch mit althergebrachten Bautraditionen und spätestens ab den Sechzigerjahren war es in der Einfamilienhausarchitektur alternativlos. Abgesehen vom ideologischen Hintergrund haben Flachdächer Vorteile gegenüber geneigten Dächern mit Dach­deckung: ein geringes Eigengewicht der Dachhaut, erweiterte Nutzungsmöglichkeit, Belichtungsmöglichkeit für innen liegende Räume und gestalterische Freiheit im Grundriss (auch für spätere Erweiterungen). Auch Flachdächer sind allerdings nicht gänzlich flach: Sie müssen zumindest eine geringfügige Neigung (bis 5 Grad in Österreich) aufweisen, damit Regenwasser ablaufen kann. Als oberste raumabschließende Geschoßdecke der Flachdachkonstruktion werden meist Stahlbetonmassivplatten eingesetzt. Flachdächer werden als Warm­dach (nicht belüftetes Dach), als Kaltdach (belüftetes Dach) oder auch als Umkehr­dach mit außen liegender Wärmedämmung ausgeführt. Während ein Steildach als zusätzlicher Wohnraum genutzt werden kann, hat das Flachdach den Vorteil, als Dachterrasse oder Dachgarten Freiflächen zur Verfügung stellen zu können. Ein solcher Dachgarten funktioniert infolge der starken Verdunstung über die Pflanzen wie als natürliche Klimaanlage und ein Feinstaubfilter für das Haus. Er entlastet außerdem das Kanalnetz durch Speicherung von Regenwasser und trägt zur Wärmedämmung am Gebäude bei.

Neuinterpretation
In den letzten Jahren ist jedoch ein Trend in der Einfamilienhausarchitektur zu bemerken: Das Steildach ist nicht mehr böse. Es kann, neu interpretiert, auch in der modernen Architektur seinen Platz finden. Es kann zeitgemäß interpretiert werden, wie es etwa Steinbauer architektur+design beim Wohnhaus in Fohsdorf getan haben, das ein Steildach in Beton hat. Oder es wird mit den großzügigen Fensterbändern übereck kombiniert und eröffnet im Gebäudeinneren offene Dachräume, die viel Licht ins Innere bringen. Nicht zuletzt bietet sich im Sinne der notwendigen Nachverdichtung von Wohnraum mit dem Steildach eine Möglichkeit, bestehenden Häusern mit Flachdach ein Dachgeschoß aufzusetzen und damit zusätzliche Nutzfläche ohne zusätzlichen Flächenverbrauch zu generieren.
Und dafür können Förderungen in Anspruch genommen werden. In der im Juni 2018 beschlossenen Klima- und Energie­strategie ist eine Sanierungsrate von zwei Prozent im Durchschnitt 2020 bis 2030 als Ziel angeführt – also eine Verdoppelung des Aufwands für die thermisch­-energetische Sanierung für bestehende Wohnbauten. Gefördert werden unter ande­rem die Dämmung der obersten Geschoßdecke oder des Daches und die Sanierung oder der Austausch der Fenster und Außentüren. 

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