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Die richtige Schule für ein erfolgreiches Leben

© Arkitema Architects/Kontraframe
© Arkitema Architects/Kontraframe

Pädagogische Architektur ist eine eigene Domäne. Die Idee vom prägenden Raum ist nicht neu, gerade im Design von Schulbauten aber häufig zu wenig beachtet und unterrepräsentiert. Neue Schulkonzepte brauchen durchdachte Raumkonzepte.

von: Susanne Karr

Schule soll auf das Leben vorbereiten. Der alte, von Seneca dem Jüngeren überlieferte, im Original so lautende und als Kritik an den römischen Philosophenschulen seiner Zeit gedachte Spruch „non vitae sed scholae discimus“ („Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir“) deutet auf die lang anhaltenden Unstimmigkeiten zwischen Unterrichtsinhalten und deren Eignung für das „echte Leben“ hin. Die jeweiligen Auffassungen finden einen selbstverständlichen Ausdruck in der Architektur von Lernräumen. Lange ähnelten diese den sakralen Anordnungen, bei denen von einer Kanzel herab die Wahrheit gepredigt wurde. Diese Zeiten sind längst vorbei, doch scheinen Schulmodelle immer noch den Entwicklungen in Gesellschaft und Technologie hinterherzuhinken.

Zukunftsfähigkeit
Bereits 2003 listet eine OECD-Studie „Schlüsselqualifikationen für ein erfolgreiches Leben und eine gut funktionierende Gesellschaft“ auf. Die wichtigsten sind die folgenden drei Fähigkeiten: autonom zu handeln, in heterogenen Gruppen zu interagieren und Werkzeuge interaktiv einzusetzen.

Der Schwerpunkt von Pädagogik muss sich demnach danach ausrichten, selbstständig denkende, flexible Individuen auszubilden und sie mit der Fähigkeit auszustatten, eigene Entscheidungen in wechselnden Personenkonstellationen zu treffen. Ein entsprechendes Schulkonzept orientiert sich daher mehr an Clustern, erleichtert diverse Gruppenkonstellationen und bietet offen zugängliche Kommunikationsorte. Zahlreiche Schulen in Skandinavien und den Niederlanden führen bereits seit einiger Zeit erfolgreiche Modelle zur Erneuerung von Unterricht und entsprechenden Schulbauten durch. Die Innovationsfreude wird dort nicht von traditionalistischen Widerständen gebremst.

Inzwischen finden aber einige Ansätze auch in anderen europäischen Ländern Anklang. So erntet etwa das Konzept offener Lernlandschaften zunehmend Aufmerksamkeit und Zuspruch. Bei den Vorreitern im Norden Europas ist seit langer Zeit das Konzept „offener Unterricht“ in die Schulabläufe integriert. Bestandteile davon sind offene Lernlandschaften, Auditorien, Gruppenräume in unterschiedlichen Größen, Think-Tanks und Lehrerarbeitsplätze. Große Gemeinschaftsflächen, Einzelarbeitsplätze für konzentrierte Phasen und kleinere abgetrennte Räume bilden das Grundkonzept der Einteilung. So dient häufig ein zentral platziertes Auditorium gemeinsamer Nutzung und ist von offenen Lernbereichen umgeben, die wiederum aus größeren gemeinsamen Lernzonen und kleineren Gruppen­räumen bestehen. Die Integration digitaler Tools ist selbstverständlich. Die Idee der „Schule ohne Wände“ und der „Schule ohne (fixe) Klassenzimmer“ bietet
viele Variationsmöglichkeiten.

Frontalmodelle ad acta
In Zeiten des digitalen Wandels, der auch Unterrichtsgestaltung und Lernverhalten massiv mitprägt, werden alte Frontalmodelle ad acta gelegt. Eigene Lernlandschaften werden gestaltet, in denen sich Schüler je nach Aufgabe einen Arbeits- und Lernplatz aussuchen. Der normale Schultag beginnt mit kurzen „Instruktionsphasen“, die in sechseckigen Schulräumen erfolgen. Danach begeben sich die Schüler zur Vertiefung der Themen in „offene Lernzonen“. Das sind Räume, die sowohl für Gemeinschaftsprojekte als auch für Einzel­arbeiten ausgestattet sind. Es gibt aber auch Tage, an denen von zu Hause aus gearbeitet wird oder im Park, der an die Schule angeschlossen ist. Auch ein Café kann als temporärer Arbeitsplatz gewählt werden. So bilden sich im Schulalltag die neuen Arbeitsweisen ab: Co-Working, Home-Office, Teamarbeiten und eigenverantwortliche Aufgaben wechseln einander ab.

Wie in den Gebäuden von Arkitema Architects. Die Architekten aus Aarhus in Dänemark sind Spezialisten im Schulbau und haben auch Universitäten gestaltet, etwa KUA2, ein Teil des Campus Kopenhagen. Interessanterweise folgt auch das von ihnen für vier Regierungsabteilungen geplante Gebäude diesem Konzept. Für diese Gebäude gilt im gleichen Maße wie für Ausbildungsstätten, dass sie Offenheit und hierarchiefreie Kommunikation fördern sowie Lust an Innovationen aufrechterhalten sollen. Im Prinzip unterscheiden sich die Grundkonzepte dieser Lernorte kaum, egal ob die Nutzer jünger oder älter sind. Es geht um optimale Arbeitsorte. Offenheit, Helligkeit, natürliche Materialien, Farben und Großzügigkeit könnte man als Stichworte nennen.

Freude am Lernen
Das Credo von Arkitema Architects für Lernumgebungen, egal ob für Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene: Räume sollen die Freude am Erforschen und Lernen fördern. Die Hellerup Skole in Gentofte im Norden Kopenhagens wurde in Kooperation von Architekten, Lehrern, Schülern, Eltern, Gemeindevertretern und Experten entworfen, unter der Prämisse „Vom Konzept zum Raum“. Eine offene Lernumgebung, so zeigt dieses Schulkonzept, motiviert nicht nur Schüler und Lehrer, sie fördert auch Inklusion. Weil ein variables Nutzungsmodell auf unterschiedlichste Situationen reagieren kann und dadurch individuelle Förderung erleichtert, wie Lasse Reichstein, der Leiter der Hellerup Skole, erklärt. „Beim Thema Inklusion spielt uns die Architektur unserer Schule in die Hände.“ Der Tagesablauf in der Hellerup Skole erinnert mehr an spielerische Selbstbestimmtheit und die Kreativität neuer Officemodelle als an klassischen Schulalltag.

Auch die deutschen Architekten Hirner und Riehl haben sich für die Schule in Langenpreising bei München diese Vorgaben zu Herzen genommen. Nicht ohne anfängliche Widerstände, die sich vor allem auf die Holzkonstruktion bezogen, welche Kirche und Schulbau direkt verbindet. So entstand eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Kombination Kirche – Pfarrhaus – Wirtshaus – Schulhaus. Die Architekten haben ein „modernes“ Schulhaus mit Satteldach in den idyllischen Ortskern implementiert. Bau und Innenleben der Schule sind auf ein offenes Lernkonzept hin angelegt. Es gibt einen zentralen Versammlungsraum, der hier als Marktplatz bezeichnet wird. Um ihn herum sind Klassenzimmer gruppiert, die zum raumhaltigen Dach hin offen sind. Unterricht mit Lehrern und eigenständiges Lernen können so parallel stattfinden. Mit solchen Konzepten wird die Schule dann doch zur Vorbereitung für das „echte Leben“.

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