Architektur

Die neue Schule im alten Grätzl

© CPPA
Das Schulgebäude liegt in einem ­überwiegend von mehrgeschoßigen Wohnbauten geprägten Gebiet.
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Neue Mittelschule Spielmanngasse, Wien // ČPPArchitektur / Fellerer Vendl

Das Wort „Gesamtschule“, über das in Öster­reich seit mehr als vier Jahrzehnten debattiert wird, wird mittlerweile so vermieden wie eine heiße Kartoffel. Dessen ungeachtet forciert die Stadt Wien die Gesamtschule der Sechs- bis 14-Jährigen. Mit Zusammenlegungen bestehender Schulen, ergänzt um Erweiterungen und Ergänzungen unterschiedlicher Schultypen, wird ein gemeinsames pädagogisches Profil für
die gesamte Schullaufbahn von sechs bis 14 Jahren an einem Standort entwickelt. Genannt wird das „Bildungsgrätzl“.

Ein solches ist soeben in der Brigittenau entstanden. Geplant vom Wiener Architekturbüro ČPPA, wurden zwei bestehende Volksschulen um vier Klassen erweitert und zusätzlich eine Neue Mittelschule errichtet. Die Neue Mittelschule Spielmanngasse liegt mitten in einem Wohngebiet, das überwiegend von mehrgeschoßigen Gebäuden geprägt ist. Höhenmäßig und auch in seiner Struktur passt sich der fünf­geschoßige Hauptbaukörper der Mittelschule dieser Umgebung an. Mit dem Zubau zur Volksschule wird eine zuvor offene Ecke des Schulareals geschlossen und das gesamte, aus zwei Volksschulen und der Neuen Mittelschule bestehende Schulareal zu einer Einheit verbunden.

Positiv lapidar
Als „lapidar im positiven Sinne“ hatte die Jury (Vorsitz: Architekt Josef Fink) die innere Organisation des Gebäudes beurteilt. Eva Češka und Friedrich Priesner gewannen den Wettbewerb im August 2016 mit dem Konzept einer vertikalen Schichtung der Cluster – das sind Bildungs­räume, die entlang einer variabel und klassenübergreifend nutzbaren Fläche zusammengefasst werden. Jeder dieser geschoßweise angeordneten Cluster besitzt im Norden eine Zeile mit Sonderklassen und eine im Südwesten vorgelagerte Freiklasse. Ebenfalls im südwestlichen Teil sowie auf dem Dach der Turnhallen be­findet sich die zusammenhängende Frei­fläche. Die multifunktionalen Mittelzonen liegen im Süden. Im Kern der Geschoße befinden sich die Nebenräume mit umlaufender Erschließung. Die Vertikalerschließung erfolgt über eine Stiege in der nordwestlichen Ecke des Baukörpers. Ebenfalls an der Hauptstiege liegt der um ein Geschoß abgesenkte, für externe Nutzung zugängliche Turnsaalbereich mit belichtetem Foyer. Natürlich belichtet sind darüber hinaus alle Erschließungsflächen.

Zurückhaltung
Bei dem Schulgebäude handelt es sich um eine einfache Konstruktion: ein Stahl­betonbau mit nahezu identischen Regelgeschoßen und punktgelagerten, nicht überlang gestreckten Plattendecken auf vorgefertigten Stützen, ergänzt mit tragenden Wandscheiben zur Queraussteifung. Die Fassaden sind konventionell gedämmt und mit einem handwerklich verriebenen und mit Metalliclasur nachbehandelten Putz verkleidet. Gemeinsam mit Kautschuk­böden im Inneren, weißen und grauen Akustikdecken sowie weiß beschichteten und teilweise in Sichtbetonoptik belassenen Wänden haben die Architekten damit ein Ensemble geschaffen, das sich zurückhaltend, beinahe unspektakulär in die städte­bauliche Struktur integriert.

Projekt
Neue Mittelschule und Zubau Volksschule Spielmanngasse, Spielmanngasse 3 / Dietmayrgasse 3 1200 Wien

Bauherr
Stadt Wien, MA 56, vertreten durch WIP – Wiener Infrastruktur Projekt GmbH, Messeplatz 1, 1021 Wien

Architektur
ČPPA Češka Priesner Partner Architektur ZT KG
cpparchitektur.at

Fellerer Vendl Architekten, Wien

Landschaftsplanung
Büro Kräftner, Wien
buerokraeftner.at

Statik
VCE Vienna Consulting Engineeers, Wien

Projektdaten
Grundstücksfläche: 16.350 m2
Bebaute Fläche: 2969 m2 (Neubau) und 432 m2 (Zubau)
Nutzfläche: 6629 m2 (Neubau) und 1285 m2 (Zubau)
Bruttogeschoßfläche: 7742 m2 (Neubau) und 1690 m2 (Zubau) 

Projektablauf
Wettbewerb 08/2016
Planungsbeginn 11/2016
Baubeginn 07/2017
Fertigstellung 08/2018
Eröffnung 09/2018
Wettbewerbsdokumentation: ARCHITEKTURJOURNAL / WETTBEWERBE 5/2016 (328)

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