Interior Design

Design oder nicht sein

© Matteo Piazza
Im Schoß der Mutter – Designer Gaetano Pesce ­provozierte 1969 Gott und die Welt. 50 Jahre später steht die Serie UP! übergroß vor dem Mailänder Dom und der Provokateur grinst immer noch.
© Matteo Piazza

Über Geschmack kann man bekanntlich streiten. Nicht alles, was das Etikett „Design“ trägt, gehört in die Menagerie des guten Geschmacks. Das ist aber nicht so wichtig, denn was wirklich zählt, ist am Ende die Authentizität.

von: Barbara Jahn

Leicht vergisst man, dass alles, was uns tagtäglich umgibt, von jemandem gestaltet worden ist. Die banalsten und für uns selbstverständlichsten Dinge wurden genauso von Menschen entwickelt wie die komplexesten Kreationen – ob in jahrelangen Prozessen oder in nur einem genialen Moment. Denken wir an Design, so sind es aber meist Objekte modernen Lifestyles, die einen Status demonstrieren, das Leben verschönern oder auch geheime Wünsche und Sehnsüchte erfüllen.

Design definiert sich heute über ganz andere Maßstäbe als zu jener Zeit, in der sich der Begriff erst langsam formulierte. Waren es früher die Architekten, die in Sachen Gestaltung des Alltags das Ruder in den Händen hatten, so löste sich das Objekt mehr und mehr aus dem Kontext des Gesamtkunstwerks und wurde zur eigenständigen Disziplin. Dass immer noch viele Architekten bis heute Möbel und Gegenstände entwerfen, widerspricht dem ganz und gar nicht, jedoch hat sich der Industriedesigner zu einer eigenständigen Berufsgruppe emanzipiert. Nachdem also Architektur und Designobjekt voneinander entkoppelt waren, begann jener Abschnitt des 20. Jahrhunderts, den man heute Midcentury nennt: eine Zeit voller Begeisterung, Leidenschaft, Neugier und Feuer für die Sache. In den 30er-, 40er-, 50er- und 60er-Jahren entstanden wohl die genialsten und prägendsten Entwürfe der Möbelgeschichte – innovativ, geistreich, spritzig und vor allem unverwechselbar. Ikonen wie die Serie Up! von Gaetano Pesce, der vor genau 50 Jahren seinen Gefühlen folgte und für B&B Italia etwas völlig Unkonventionelles, vielleicht sogar Anstößiges, in jedem Fall Revolutionäres schuf, das zu Diskussionen anregte.

Bis auf einige wenige Highlights ging der Branche in den späten 70er-, 80er- und 90er-Jahren langsam die Luft aus. Das Schwanken zwischen Minimalismus und Opulenz, die Einteilung in bestimmende Trends und die Deklaration von Farben des Jahres schränkte ein, erzeugte ein zwanghaftes Denken, dem sich die meisten unterordneten, um auf der großen Welle mitschwimmen zu können. Selbstverständlich gab es immer wieder Querdenker, die sich gegen das aufoktroyierte System zu wehren wussten. Seit der Jahrtausendwende befindet man sich in der kompletten Krise zwischen Trends und dem Ringen nach neuen Ideen, hat man doch das Gefühl, dass es alles schon einmal gegeben hat. Immer mehr Klassiker werden ausgegraben, neu aufgelegt und interpretiert. Erst langsam beginnt sich die Szene, die zum Glück ihren Mut, nach vorn zu blicken, nicht verloren hat, wieder auf die Kernwerte des Designs zu besinnen: Das Detail rückt wieder in den Fokus, die optimale Verwertung von Materialien steht auf der Prioritätenliste und auch das „made in ...“ steht erneut im Vordergrund. Endlich Schluss mit der Unterwürfigkeit, dafür mehr Persönlichkeit – eines Designers, eines Unternehmens, eines Landes.


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