Haus und Wohnen 2020 Haus + Wohnen

Das älteste Baumaterial

© Wienerberger/Arnt Haug
Bei diesem Einfamilienhaus kamen drei Ziegel­produkte zum Einsatz: Hinter- und Vormauerziegel für die Gebäudehülle, Pflasterziegel für die Außenanlagen.
© Wienerberger/Arnt Haug

Seit Jahrtausenden bauen wir mit dem natürlichen Baustoff Ziegel. Sein Rohstoff Ton ist regional verfügbar, als Baumaterial verfügt er über bauphysikalische Vorzüge. Ziegel ist auch ein architektonisches Statement.

Der Ziegel ist, nach Stein und Holz, eines der ältesten Baumaterialien der Welt. Seine Qualitäten sind seit Tausenden von Jahren bekannt: Verfügbarkeit, Veränder­barkeit, Dauerhaftigkeit, Vielseitigkeit und Speicherwirkung. Seine Produktion wurde im Lauf der Zeit immer ausgefeilter: Als ersten Schritt begannen die Menschen, die luft­getrockneten Lehmziegel mit der Beigabe von Stroh als Bewehrung tragfähiger zu machen. Vor rund 5000 Jahren wurden die Lehmziegel erstmals gebrannt, was ihnen Witterungsbeständigkeit und höhere Festig­keit verlieh.

Der Ziegel ist ein reines Naturprodukt. Er besteht zu 100 Prozent aus dem natür­lichen Rohstoff Ton, der regional abgebaut werden kann und daher kurze Transportwege beansprucht. Im verputzten Zustand, als unsichtbares Mauerwerk, sorgt der wasserdampfdiffusionsoffene Ziegel für einen Ausgleich der Raumluftfeuchtigkeit und trägt zu einem gesunden Raumklima bei. Ziegelbauten haben außerdem eine hohe Wertbeständigkeit und die Instandhaltungskosten sind auf lange Sicht niedrig. Eine monolithische Ziegelaußenwand ermög­licht auf die gesamte Lebensdauer einen sehr guten Wärmeschutz, Wärmespeicherung, Schallschutz und Brandschutz ohne Zusatzdämmung.

Sichtbares Architekturelement
Als architektonisches Element ist der Sichtziegel immer noch ein zeitgemäßes Material. Ein Haus in Sichtziegelarchitektur vermittelt infolge der Kleinteiligkeit des Fassaden­bildes das Gefühl von Proportion, Haptik und Atmosphäre, Natürlichkeit und Individualität. Große Architekten wie Frank Lloyd Wright oder Ludwig Mies van der Rohe sahen im sichtbaren, unverputzten Ziegelmauerwerk den Ausdruck für eine Architektur, die sich respektvoll mit der Natur verbindet. Sichtziegel werden auch heute – immer noch und wieder verstärkt – gerne von Architekten verwendet, wie der oben abgebildete Neubau der Architekten Anja und Jochen Engelshove in Nordrhein-Westfalen zeigt.

Viele Farbnuancen
In der Regel werden für Sichtziegel­fassaden Klinker verwendet. Das sind Ziegel, die unter so hohen Temperaturen gebrannt sind, dass die Poren des Materials durch den beginnenden Sinterprozess geschlossen werden. Dadurch werden sie im Gegensatz zu normal gebrannten Ziegeln wasserundurchlässig. Durch verschiedene Zuschläge zur Rohmasse lassen sich viel­fältige Farbnuancen erreichen, von verschiedenen Rottönen über Gelb bis Braun. Klinker können auch als Vorsatzschale in einem Wärmedämmverbundsystem statt des üblichen Dünnputzes eingesetzt werden. Klinkerfassaden haben vor allem in Großbritannien sowie den am Ärmelkanal gelegenen Ländern Holland und Belgien Tradition, wo die salzige Meeresluft den bei uns verbreiteten Putz zersetzen würde.

Keramische Fassaden
Anstelle einer Vorsatzschale können Sichtziegel auch in Form von keramischen Fassadenplatten in unterschiedlichen Farben, Glasuren, Formen und Oberflächen eingesetzt werden. Sie werden auf einer Unterkonstruktion aus Aluminium befestigt. Dieses hinterlüftete System wurde zu Beginn der Achtzigerjahre mit dem Ziel entwickelt, zeitlos moderne Fassaden mit dem unverwechselbaren Charakter des Naturprodukts Ton zu schaffen.

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