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Coole Bezirke

© Johannes Szelianszky
Geplantes Studierendenwohnheim im Quartier „An der Schanze“ im Donaufeld
© Johannes Szelianszky

Wien will nicht nur den Status als lebenswerteste Stadt der Welt erhalten, sondern gibt weiterhin Antworten auf die Klimakrise und deren Herausforderungen.

Die Millionenstadt Wien hat schon heute einen Grünflächenanteil von 53 Prozent, ist seit zehn Jahren die lebenswerteste Stadt der Welt und seit heuer auch die „Greenest City“ weltweit. Damit das in Zeiten von steigenden Temperaturen und immer häufigeren Hitzesommern so bleibt, stellt die Begrünung weiter ein wichtiges Ziel für die Klimamusterstadt dar. Die rund 500.000 Bäume bringen kühlendes Grün in dicht besiedelte Stadtgebiete, sie binden Feinstaub und CO2 und geben gleichzeitig lebenswichtigen Sauerstoff ab. Und jedes Jahr werden von den Wiener Stadtgärten rund 4500 Bäume neu gepflanzt. Gemeinsam mit nationalen und internationalen Experten haben die Wiener Stadtgärten in den letzten Jahren eine Liste jener Baum­arten erarbeitet, die mit den besonderen Gegebenheiten einer Stadt gut zurechtkommen: den erhöhten Stressfaktoren durch Verkehr, Bodenverdichtung, eingeklemmte Wurzeln, Erschütterungen und auch durch die Abstrahlhitze von Glas- und Betonflächen, den vermehrten Hitzetagen – einer Folge des spürbaren Klimawandels. Insgesamt finden sich im Baumsortiment der Wiener Stadtgärten rund 30 verschiedene Baumarten. Bei Pflanzungen von Jungbäumen im Straßenbereich wird ein von den Wiener Stadtgärtnern, gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, neu entwickeltes Baumsubstrat ein­gesetzt. Es besteht aus organischen und minera­lischen Substanzen, die eine verbesserte Wasserspeicherfähigkeit und gute Durchlüftung garantieren.

Mit dem sogenannten „Schwammstadt-Prinzip“ beschreitet die Stadt Wien hier neue Wege. Dieses kommt erstmals im großen Stil im Stadterweiterungsgebiet Seestadt Nord zum Einsatz, um Bäume für die Folgen des Klimawandels fit zu machen. Unterhalb der befestigten Oberflächen im Straßenraum werden Schotterkörper geschaffen. Die Bäume stehen wie üblich in ihren Baumscheiben, haben aber direkten Kontakt zu den lockeren Schotterkörpern und können diese verwurzeln. Das anfallende Oberflächenwasser wird z. B. über Absetz­becken gefiltert, in den Schwamm­körper geleitet und hier verteilt. Regenwasser wird so gespeichert sowie zurückgehalten und steht den Bäumen länger zur Verfügung.

Um mehr Bäume zu pflanzen, hat die Stadt Wien ein Sonderbudget von acht Millionen Euro für die Bezirke zur Verfügung gestellt. Dort, wo Baumpflanzungen aufgrund von technischen Einbauten für Wasser, Strom, Fernwärme oder Gas nicht möglich oder sehr teuer sind, greift die Aktion „Raus aus dem Asphalt“. Dabei werden in Absprache mit den Bezirken Asphaltflächen aufgebrochen und mit unterschiedlichen Pflanzenmodulen bepflanzt. Die Aktion wird aus dem auf 4,6 Millionen Euro Fördertopf für „Coole Bezirke“ der Stadt Wien unterstützt.

Grünräume und Klimaanalyse
Bäume als kühlende Schattenspender spielen auch bei der Bruno-Marek-Allee im neuen Stadtteil „Nordbahnhof-Nord“ eine große Rolle. Der circa 500 Meter lange Boulevard im 2. Bezirk beginnt unweit vom Praterstern und führt zum Christine-Nöstlinger-Campus. Die Promenade bietet auf den breiten Gehwegen viel Platz für Fußgängerinnen und Fußgänger. Der Autoverkehr wird auf den Straßenbahnschienen geführt. Die verlängerte Straßenbahnlinie O fährt ebenfalls entlang dieser Allee (siehe Kasten Seite 17).

Die Planung von Grünräumen und Beschattung ist eine wichtige Begleitmaßnahme zur Projektplanung. Mithilfe der Stadtklimaanalyse lässt sich diese zielgerichteter und qualitativ hochwertiger umsetzen. Durch sie wird es möglich, bei der Planung von Stadtteilen den Aspekt des Stadtklimas besser zu berücksichtigen. Ziel jeder Planung ist es, Hitze zu verringern oder zu vermeiden und aktuelle Windströme für eine Durchlüftung des jeweiligen Stadtteils optimal zu nutzen. Auf Basis unterschiedlichster klimatologischer Auswertungen, der Analyse zahlreicher Wind- und Temperaturdaten sowie einer erstmaligen Zusammenschau von 35 langjährigen Messreihen können mit der Stadtklimaanalyse wichtige Aussagen über die Klimasituation in der Stadt getroffen werden. Die Analyse stellt die Klimasituation der Stadt räumlich dar und soll als Grundlage von Stadtentwicklungsprojekten bereits in der frühen Planungsphase den Folgen des Klima­wandels entgegenwirken.

Smart City Rahmenstrategie
Um Wien nicht nur den Status als lebenswerteste Stadt der Welt zu erhalten, sondern weiterhin Antworten auf die Klima­krise und auf die Herausforderungen geben zu können, sich intelligent anzupassen, stellt die Smart City Rahmenstrategie Leit­linien für die mittel- und langfristige Transformation der Stadt bereit. Als Smart City muss Wien seine Fortschritte messen, um diese steuern zu können. Im Juni 2019 hat der Wiener Gemeinderat die neu gefasste Smart City Wien Rahmenstrategie 2019–2050 beschlossen. Diese baut auf den Zielen der ursprünglichen Fassung von 2014 auf. Der zentrale Anspruch von Smart City Wien lautet nach wie vor: hohe Lebens­qualität für alle Wienerinnen und Wiener bei größtmöglicher Ressourcenschonung durch soziale und technische Innovationen.

Die Smart City Wien Rahmenstrategie schreibt zwölf Zielbereiche fest, darunter die Themenfelder Gebäude, Mobilität und Verkehr, Energieversorgung, Umwelt oder soziale Inklusion. Im Gebäudebereich bedeutet das, dass der Endenergieverbrauch für Heizen, Kühlen und Warmwasser um ein Prozent sinken muss, die damit verbundenen CO2-Emissionen um zwei Prozent pro Kopf und Jahr. Ab 2025 wird der Wärmeverbrauch von neuen Gebäuden grundsätzlich durch erneuerbare Energie oder Fernwärme gedeckt. Ab 2030 ist standort- und nutzungsgerechtes Planen und Bauen zur maximalen Ressourcenschonung Standard bei Neubau und Sanierung. Bauteile und Materialien von Abrissgebäuden und Großumbauten werden 2050 zu 80 Prozent wiederverwendet oder -verwertet. Gebäude werden zur Begrünung und solaren Energie­gewinnung genutzt.

Im Bereich Mobilität und Verkehr sollen die CO2-Emissionen des Verkehrssektors pro Kopf um 50 Prozent bis 2030 und um 100 Prozent bis 2050 sinken. Ein Ziel der Smart City Rahmenstrategie ist die Senkung des Motorisierungsgrads bis 2030 bei privaten Pkw auf 250 pro 1000 Einwohner. An der Stadtgrenze soll die Verkehrsstärke bis 2030 um zehn Prozent sinken.

Heizen mit Eis
Der Wiener Endenergieverbrauch soll 2030 zu 30 Prozent und 2050 zu 70 Prozent aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Eine intelligente Idee für die Umsetzung dieses Zieles ist der Eisspeicher. Die Idee ist nicht neu, denn schon vor 100 Jahren wurde das Wissen rund um das Eis genutzt. Eisspeicher eignen sich wunderbar für ein intelligentes Energiequellenmanagement. Diese erneuerbare Energieform, die so gut wie keinen CO2-Ausstoß verursacht, ist eines der großen Zukunftsthemen angesichts des Klimawandels. Grundlage des Eisspeichersystems ist das Phänomen der Kristallisationsenergie. Die Wärme wird freigesetzt, wenn das Wasser seinen Aggregatzustand von flüssig nach fest verändert, also gefriert. Erstarren 126 Liter Wasser zu Eis, wird eine Energiemenge frei, die einem Liter Heizöl entspricht.

Die Energieversorgung für einen neuen Kindergarten in der Kugelfanggasse in
Wien-Floridsdorf basiert auf einer Wärmepumpenanlage im Kellergeschoß des Gebäudes, die sowohl zur Beheizung als auch zur Kühlung herangezogen werden kann. Für die Wärmepumpenanlage wird als Energiequelle ein im Erdreich platzierter Groß-Eisspeicher in Kombination mit unverglasten thermischen Kollektoren eingesetzt. Das Volumen des Eisspeichers fungiert als Wärmequelle für eine Sole-/Wasser-Wärmepumpe, die das Temperaturniveau des Speichers zur Beheizung nutzbar macht. Der Wärmeentzug führt zu einer fortschreitenden Vereisung des Speichervolumens.

Mit dem Groß-Eisspeichersystem kann aber nicht nur geheizt, sondern auch gekühlt werden. Die Kühlung erfolgt über einen Plattenwärmetauscher, der mit dem Regenerationswärmetauscher im Eis-Energiespeicher verbunden ist.  

Informationen
wien.gv.at
urbaninnovation.at
smartcity.wien.gv.at

Digitale Baueinreichung
Seit Juni 2019 können Bauansuchen online eingebracht werden. Die Anträge können direkt gestellt und benötigte Dokumente und Pläne hochgeladen werden. Eine klare und einfache Sprache erleichtert nicht Fachkundigen die Baueinreichung. Außerdem können Testanträge eingereicht werden. Diese werden der Be­hörde nicht übermittelt.

Die meisten Bauunternehmen und Architektur­büros erstellen ihre Unterlagen für die rund 13.000 jährlichen Bauein­reichungen bereits digital. Ihre Bauunterlagen können sie künftig online weiter­leiten.

Auch die Baupolizei kann die Unterlagen an weitere Fachdienststellen elektronisch versenden. Bisher war es erforderlich, Pläne in dreifacher Ausfertigung an die Baupolizei zu über­mitteln. Mit der digitalen Baueinreichung benötigt die Behörde nur noch eine Ausfertigung der Planparie auf Papier.

wien.gv.at/wohnen/baupolizei

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