349 Naturstein

Beste Freunde: Stein und Wasser

© Richard Watzke
Fußgängerzone nahe Salzburg: Wasserführung aus Kalkstein in Kombination mit massiven Granit­platten und Kleinsteinpflaster.
© Richard Watzke

Stein und Wasser gehören seit Urzeiten untrennbar zusammen. Als großformatige Bodenplatte oder als kleinteiliges Pflaster – Naturstein im Außenbereich trotzt den Elementen. Durch die geschickte Kombination von Farbe, Oberfläche und Format entstehen dauerhaft attraktive Flächen.

von: Richard Watzke

Steter Tropfen höhlt den Stein, weiß der Volksmund. Bei Naturstein sind so viele Tropfen dafür nötig, dass es beim Überprüfen dieser Redewendung ganzen Generationen fad würde. In Wahrheit ergänzen sich Stein und Wasser perfekt. Die Bewegung und Geschmeidigkeit des Wassers und die Beständigkeit und Härte des Steins ergeben ein perfektes Gespann. Vor allem Hartgesteine wie Granit, Basalt und Quarzit sind seit Menschengedenken treue Begleiter bei Bauvorhaben am und mit Wasser. Bewährt sind aber auch viele frostbeständige Marmorsorten und Kalksteine. Fachgerecht montiert sind sogar poren­reiche Steine wie Travertin und bestimmte Sandsteine geeignet. Für alle Bereiche, in denen Regen, fließendes oder stehendes Wasser auftritt, entschieden sich unsere Urahnen aus gutem Grund für Naturstein. Zuerst wegen der Dauerhaftigkeit: Mit Bedacht gewählt, trotzt Naturstein Wind und Wetter, ist abriebfest, hält Druck bestens aus und lässt sich auch von klirrendem Frost und glühender Sonne kaum beeindrucken. Plant der Verarbeiter eine geeignete Entwässerung, kann Feuchtigkeit den Ober­flächen nichts anhaben. Viele Steinarten sind sogar für einen dauerhaften Kontakt mit Wasser prädestiniert.

Ein wesentlicher Faktor zugunsten der Verbreitung von Naturstein ist seine Verfügbarkeit. Das Rohmaterial ist in vielen Regionen dieser Erde oberflächennah und ohne lange Transportwege zugänglich. Der Abbau der Rohblöcke erforderte früher Muskelkraft, Ausdauer und geeignete Werk­zeuge, beanspruchte aber deutlich weniger Ressourcen als der Baustoff Holz. Mit gezielt gesetzten Bohrlöchern und Holzkeilen, die durch Wasser zum Quellen gebracht wurden, gewannen bereits frühe Hochkulturen gewaltige Blöcke aus dem Fels. Viele Vorkommen sind von natürlichen Klüften durchzogen, die sich die Arbeiter als Sollbruchstellen im Gestein zunutze machten. Auch bei der Weiterverarbeitung profitieren die Steinmetze seit alters her von ihrem Wissen um die natürliche Schichtung und Spaltrichtung ihrer Steine. Wer diese beachtet, kann große Platten mit planen Flächen gewinnen. Sogar Granit mit seinen scheinbar unstrukturierten Mineralien besitzt solche im Fachjargon als Lager bezeichneten Richtungen. In der modernen Steingewinnung haben diamantbesetzte Werkzeuge die Holzkeile ersetzt, computergesteuerte Maschinen teilen die tonnenschweren Blöcke mit geringem Schnittverlust in beinahe jedes beliebige Format auf. Obwohl die Effizienz moderner Maschinen die Kapazitäten in der Steinproduktion vervielfacht hat, sind die Auswirkungen auf die Umwelt nach wie vor gering. Bei der Produktion sind keine chemischen Zusätze erfor­derlich und der Energiebedarf im Vergleich zur Herstellung von Beton, Keramik und anderen Industriebaustoffen ist minimal. Zahlreiche Natursteinwerke decken ihren Strombedarf durch Photovoltaikanlagen und das zur Kühlung der Werkzeuge verwendete Wasser wird in einem permanenten Kreislauf aufbereitet.

Freiheit der Gestaltung
Aus Sicht von Architekten und Designern ist die große Anwendungsvielfalt eines der gewichtigsten Argumente zugunsten von Naturstein. Aus einem Rohblock lassen sich Mauersteine ebenso fertigen wie Bodenplatten, Wandbekleidungen oder Stufen. Kein anderer Naturbaustoff ermöglicht so unterschiedliche Werkstückdimensionen und Proportionen: Wünscht der Auftrag­geber eine möglichst homogene Optik, lassen sich profilierte Beckenumrandungen und der daran anschließende Bodenbelag mit einer einheitlichen Textur fertigen. Ein nahtloserer Übergang einzelner Bauteile ist kaum möglich, zumal sich der Belag vom Hausinneren bis zu den Außenflächen durchziehen kann: abhängig von der Gesteinsart innen geschliffen oder poliert und außen trittsicher mit spaltrauer, sägerauer, gestrahlter oder gebürsteter Oberfläche. Besonders diese nahtlosen Übergänge vom Wohnbereich bis zum Pool überzeugen Auftraggeber und Gestalter gleichermaßen. Details wie individuelle Überläufe, Rigole oder Siphonabdeckungen aus demselben Stein wie die Bodenplatten runden das Bild perfekt ab.

Entwässerung berücksichtigen
Bei der Planung und Ausführung von Außen­flächen gelten anerkannte Grund­regeln. Allen voran stehen Maßnahmen gegen eine dauerhafte Durchfeuchtung der Plattenbeläge. Die Steinplatten sollten normgerecht mit einem Gefälle von zwei Prozent verlegt werden und gut belüftet sein. Dadurch wird oberflächliches Wasser rasch abgeleitet und die Steinflächen können abtrocknen. Ein häufiger Fehler bei der Verlegung ist Feuchtigkeit unterhalb der Platten. Diese kann zur Fleckenbildung und zu Schäden am Naturstein führen. Bei der fachgerechten Verlegung auf Drainmörtel und Drainagematte wird Staunässe im Unter­bau vermieden. Ein für Naturstein geeignetes Silikon sowie ein auf die jeweilige Verlegesituation abgestimmter Mörtel sind ebenso unverzichtbar für einen dauerhaft schönen Natursteinboden. 

Prägend für den Gesamteindruck einer Fläche sind die Plattenformate und das Fugen­bild. Auch hier erweist sich Naturstein als vielseitiger Partner. Vor allem bei der Verwendung regionaler Natursteine und einer heimischen Verarbeitung können sich Planer und Steinproduzenten optimal abstimmen und individuelle Beläge abseits der Standardformate realisieren. Ein bewährtes Format sind die sogenannten Bahnen. Im fertigen Zustand bestimmen drei Faktoren das Gesamtbild. Gleichbleibende Plattenlängen ergeben ein strenges Raster, wechselnde Längen erzeugen ein lebhafteres Verlegebild und erlauben mehr Freiheit bei Ecklösungen und Anschlüssen. Entscheidend für den Eindruck sind die Plattenbreiten. Derzeit sind vor allem Steinbeläge mit 60 x 40 Zentimetern Kanten­länge gewünscht, gemeinsam mit dem Steinproduzenten sind aber auch alle anderen Formate bis hin zu großformatigen Sonderlösungen mit mehreren Metern Kanten­länge realisierbar. Wesentlichen Einfluss auf die Gestaltung einer Fläche haben die individuelle Oberflächenbearbeitung und die Struktur des Natursteins. Unifarbene Gesteine passen zu jedem Fugenbild, Sorten mit Maserung ergeben bei kleinteiliger Verlegung ein stark bewegtes Gesamtbild, als Großformat kommt bei ihnen die individuelle Struktur jeder Platte deutlich zur Geltung. Um die Maserung in das Gesamt­konzept einzubeziehen, sollten Planer und Auftraggeber die Wirkung zuvor anhand aussagekräftiger Muster beurteilen. Die rechtzeitige Zusammenarbeit mit den Steinproduzenten gewährt die besten Ergebnisse. Gleiches gilt auch für die optimale Abstimmung von Oberflächenrauigkeit und Pflegeaufwand.

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