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Bauen und Sanieren für die Stadt der Zukunft

© Lakeside Park GmbH 2018
Projekte wie der von der Ressourcen Management Agentur betreute Lakeside Park in Klagenfurt sollen verstärkt als Best-Practice-Beispiele für ein Umdenken entlang der gesamten Prozesskette dienen.
© Lakeside Park GmbH 2018

Die Art und Weise, wie wir Gebäude und ganze Quartiere unter der Zielsetzung der Klimaneutralität errichten und sanieren, stellt uns vor neue Herausforderungen. Forschung, Innovation und Technologieentwicklung spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Das Vorhaben, Klimaneutralität im Bereich der Bauwirtschaft zu erlangen, verlangt nach synergetischen, integrierten, digitalen und kreislauffähigen Lösungen. Anlässlich eines vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) veranstalteten Fokusgruppendialogs rund um das FTI-Thema „Bauen und Sanieren für die Stadt der Zukunft“ stellten sich Expertinnen und Experten der Bauforschung und -wirtschaft sowie der öffentlichen Verwaltung der Diskussion zu diesen Themen.

Kapazitätsanpassung in der Bauwirtschaft
Der notwendigen Erhöhung der Sanierungsleistung durch die Bauwirtschaft widmete sich der Vortrag von Wolfgang Amann, Leiter des IIBW – Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen. Das Institut führt laufend Projekte zu Fragen der Dekarbonisierung des österreichischen Wohnungsbestands durch und hat dokumentiert, dass für ein vollständiges Durchsanieren des thermisch unzureichenden Wohnungsbestands in Österreich eine Erhöhung der Sanierungsrate von derzeit 1,5 Prozent auf etwa das Doppelte ausreichen würde. Der aktuellen Studie liegt die schon im Herbst 2020 erkennbare Entwicklung zugrunde, dass die notwendige Erhöhung der Sanierungsleistung angesichts der weiterhin guten Auftragslage im Neubau nur mit einer Ausweitung der Kapazitäten der Bau- und Bauproduktewirtschaft zu erreichen sein wird. Den Berechnungen des IIBW zufolge erfordert es eine Ausweitung des Produktionsvolumens in der Hochbausanierung von derzeit ca. 10 Milliarden auf 16 Milliarden Euro bis 2025. Das bedeutet für diesen Sektor jährliche Steigerungen um bis zu 15 Prozent. Diese Kapazitätsausweitungen stoßen allerdings auf wesentliche Barrieren: Schon jetzt bestehen Engpässe und zugleich stark steigende Preise bei Bauprodukten wie Stahl, Holz oder Kunststoff sowie bei Lieferketten und Logistik.

Eine weitere zentrale Barriere für eine Ausweitung der Sanierungsrate ist der Mangel an geeignetem Personal und insbesondere Facharbeitern. Eine nachhaltige Ausweitung des Arbeitskräftepotenzials wird dem IIBW zufolge nur mittel- bis langfristig über die Weiterentwicklung des dualen Bildungssystems möglich sein. Die wirkungsvollsten Instrumente für eine planvolle Ausweitung der Hochbausanierung zur Erreichung der Klimaziele im großvolumigen Gebäudesektor sieht das IIBW im Abbau wohnrechtlicher Barrieren und Förderungen. Große Potenziale werden außerdem in der Digitali­sierung der Baustellen gesehen, mit digitalen Analysetechniken, der digitalen Baudokumentation und schließlich dem Einsatz des digitalen Zwillings (BIM) zum effizienteren Betrieb der Baustellen.

Bauwirtschaft und Digitalisierung
Mit den Auswirkungen der digitalen Transformation auf die österreichische Bauwirtschaft und die Erwerbstätigen befasste sich eine Trendanalyse der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA). Obwohl die „analoge“ Bauwirtschaft eher nicht als Vorreiter der Digitalisierung gilt, schreitet – folgt man Fachzeitschriften der Bauwirtschaft – die Diffusion digitaler Technologien von Baustellen-Apps zum effizienteren Informationsaustausch über Building Information Modelling (BIM) bis zu Robotik-Anwendungen wie Drohnen oder 3D-Druck zügig voran. In der Praxis geht die IKT-Diffusion dagegen langsamer vonstatten. Für Länder wie Österreich ist daraus ableitbar, dass ein mit Digitalisierung assoziierter gravierender Arbeitsplatzabbau in der Baubranche zumindest in den nächsten Jahren unwahrscheinlich ist. Grenzen einer raschen Durchdringung von Arbeitsprozessen mit digitalen Technologien sind vor allem in der kleinteiligen Struktur des Bauneben­gewerbes begründet, Sanierungsarbeiten sind arbeitsintensiv und insofern schwer automatisierbar.

Kreislauffähigkeit der Massivbauindustrie
Herausforderungen, Chancen und Potenziale in Bezug auf die Kreislauffähigkeit der Massivbauindustrie sowie die mit ihr agierenden Akteure untersuchten Franziska Trebut und Bianca Pfefferer von der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) im Rahmen einer im Auftrag des BMK erstellten Studie. Ausgehend von der Tatsache, dass allein die Herstellung von Zement derzeit rund 8 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verursacht und aufgrund der gesteigerten Bauaktivitäten in Asien und Afrika noch zunehmen wird, bedarf es neuer Ansätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette, um eine tiefgreifende Dekarbonisierung zu erreichen. Denn obwohl die Massiv­bauwirtschaft in Österreich auf gute Grundlagen aufbauen kann, um die Kreislaufführung im Massivbausektor auszubauen, sind für eine Transformation hin zu einer Kreislaufwirtschaft neue technologische Ansätze, neue Geschäftsmodelle, eine enge Vernetzung der Akteure und passende rechtliche und normative Rahmenbedingungen notwendig. Notwendig ist die Durchführung von Best-Practice-Projekten, die Möglichkeiten und Potenziale der Wiederverwendung und des Recyclings aufzeigen, deren wirtschaftliche Umsetzbarkeit demonstrieren und damit ein Umdenken entlang der gesamten Prozesskette fördern.

Die CO2-neutrale Baustelle
Mit der CO2-neutralen Baustelle als Beitrag zum Klimaschutz der österreichischen Bauwirtschaft befassen sich Richard Obernosterer von der Ressourcen Management Agentur (RMA) und Leopold Winkler vom Institut für Interdisziplinäres Bauprozessmanagement an der TU Wien. Ziel ihrer laufenden Studie „CO2 neuBau – Die CO2-neutrale Baustelle“ ist es, alle auf der Baustelle entstehenden Emissionen zu identifizieren und die notwendigen Rahmenbedingungen sowie Technologien für deren Reduzierung, Substituierung, Kompensation oder Adap­tion zu erheben und in die gängigen Bewertungs­instrumente einfließen zu lassen. Gleichzeitig sollen Mehrwerte wie etwaige Kosten- und Nutzen-Vorteile
einer CO2-neutralen Baustelle aufgezeigt und quantifiziert werden. Neben den technologischen werden auch organisatorische Maßnahmen (Leanmanagement, Effizienzmaßnahmen, BIM, Kompensationszahlungen) untersucht. Die Autoren erwarten sich als Ergebnis einen Leitfaden mit klarer schematisch-hierarchischer Darstellung von der Vermeidung bis zur Verlagerung und letztendlich Verringerung von Emissionen bei der Baustellenplanung und dem Baustellenbetrieb. Weiters soll es Empfehlungen für zukünftige Schwerpunktsetzungen geben sowie eine Berechnungsmethode zur Kosten-/Nutzen-Darstellung einer CO2-neutralen Baustelle entwickelt werden. 

Informationen
nachhaltigwirtschaften.at
bmk.gv.at

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