363 Naturstein

Bauen im Bestand gewinnt

Kloster Loccum: Die Formensprache ist laut Jury zurückhaltend modern und dennoch kraftvoll und selbstbewusst. Der regionale Bucher Sandstein dient als Klammer zwischen Bestand und Neubau (Bilder hier und rechts). © Maja Wirkus, Kassel/Hamburg

Naturstein als ökologischer Baustoff par excellence steht im Mittelpunkt des vom Deutschen Naturwerkstein-Verband DNV gemeinsam mit dem Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA ausgelobten Deutschen Naturstein-Preises 2022. Die prämierten Projekte belegen, wie vorbildlich sich der Naturwerkstoff in den unterschiedlichsten Bauaufgaben bewährt.

von: Richard Watzke

Der heuer bereits zum 20. Mal ausgelobte Deutsche Naturstein-Preis zeichnet nachhaltige Projekte aus Naturstein im Innen- und Außenbereich aus, die beispielhaft für eine hohe architektonische und städtebauliche Qualität, den materialgerechten Einsatz von Naturstein und eine funktionale Nutzungsflexibilität stehen. Beim aktuellen Durchgang wurden über 60 Projekte in den Kategorien Öffentliche Gebäude, Wohn- und Gewerbebauten, Einfamilienhäuser und Villen, Bauen im Bestand, Landschaftsarchitektur und Freiraumgestaltung sowie im Rahmen eines studentischen Nachwuchspreises eingereicht. Beurteilt wurde unter anderem die architektonische und städtebauliche Qualität, der material- und umweltgerechte Einsatz von Naturstein, funktionale Aspekte und die Nutzungsflexibilität sowie eine nachhaltige, dauerhafte und alterungsfähige Bauweise.

In Zeiten der Klimakrise seien nachhaltige und wiederverwendbare Baustoffe ein angemessenes Zeichen der Zeit, betonte BDA-Präsidentin und Juryvorsitzende
Susanne Wartzeck im Vorfeld der Preisverleihung. Naturstein könne als Bau­stoff einen wertvollen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen im Bauwesen leisten. Während zur Herstellung von Baustoffen wie Glas, Beton oder Stahl viel Energie benötigt wird, ist Naturstein bereits in der Natur vorhanden und verfügt damit über eine hervorragende CO2-Bilanz – vor allem, wenn der natürliche Rohstoff aus regionalem Abbau stammt. Ein weiteres wichtiges Kriterium zur Beurteilung der Nachhaltigkeit ist die Dauerhaftigkeit der Baustoffe. Naturwerkstein weist eine sehr hohe Nutzungsdauer auf und kann beim Rückbau von Gebäuden wieder als Baustoff verwendet werden.

Hauptpreis für modernen Klosteranbau

Gewinner des Deutschen Naturstein-Preises 2022 ist ein Projekt aus der Wettbewerbskategorie „Bauen im Bestand“: die Bibliothek des Predigerseminars im Kloster Loccum. Bei dem vom Kassler Büro pape+pape architekten für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannover realisierten Projekt wurde dem gotischen Bestandsgebäude des Zisterzienserklosters eine moderne Klosterbibliothek hinzugefügt und ein stimmiges Ensemble aus Alt und Neu geschaffen. Zusammengehalten wird es laut Jury durch die Materialität von Alt- und Neubestand, einem Bucher Sandstein. Durch den Abbruch des Bibliotheksbaus aus den 1990er-Jahren ­ergab sich die Möglichkeit, dem Kloster Loccum seine ursprüngliche Grundriss­figur zurückzugeben.

Der Neubau greift die Strenge und Schlichtheit der Stiftskirche auf und führt diese in einer modernen Architektursprache fort, ohne sich historisierender Elemente zu bedienen. Eine raue Sandsteinfassade setzt die vorhandene Materialität des Klosters fort. Durch die sich abwechselnd wiederholenden Steinschichten und einheitliche Fugenbreiten interpretiert der Neubau das bestehende Fassadenbild jedoch geradliniger. Die wenigen prägenden Fassadenöffnungen, der neue Haupteingang, der schmale Nebeneingang auf der Ostseite und eine lange Öffnung im Südgiebel werden als klare geometrische Formen aus der Gebäudehülle ausgeschnitten.

Bei der neuen Fassade kamen drei verschiedene Höhenformate zum Einsatz, die mit Steinlängen von 30 bis 50 Zentimetern kombiniert wurden. Das Standardmauerwerk wurde konventionell gesägt, für die Ortgänge am Giebel und die Fensterlaibungen waren Sonderanfertigungen notwendig, die in 3D gezeichnet und auf einer CNC-Fräse maschinell vorgefertigt wurden. Anschließend erhielten die Steine durch manuelles Nachbehauen eine handwerklich raue Oberfläche, welche die schrägen Giebelabschlüsse ornamentartig hervorhebt.

Epochaler Museumsbau

Als Preisträger in der zahlenmäßig am stärksten besetzten Kategorie „Öffentliche Gebäude, Wohn- und Gewerbebauten“ setzte sich das Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design in Oslo vom Architekturbüro Klaus Schuwerk / Kleihues + Schuwerk aus Neapel durch. Das neue Museum tritt auf zwei Ebenen mit der existierenden Struktur der Stadt in Relation. Die Fassade des Sockelgebäudes ist komplett mit einer massiven Vormauerschale und komplexen Details aus norwegischem Oppdal-Quarzitschiefer aufgemauert. Die Solidität und eine gewisse Zeitlosigkeit sollen das Gebäude in Beziehung zu den Monumenten der Vergangenheit stellen. Das Foyer und die angrenzenden Bereiche sind ebenfalls mit Oppdal-Quarzit ausgekleidet.

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