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Ausstellung: OTTO WAGNER

Foto: Hertha Hurnaus © Wien Museum
Otto Wagner Pavillon Karlsplatz
Foto: Hertha Hurnaus © Wien Museum

Das Wien Museum Karlsplatz zeigt ab 15. März anlässlich Otto Wagners 100. Todesjahrs eine Ausstellung zum bedeutenden Architekten an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.

Wagners Bauten – darunter die Wiener Stadtbahn, die Postsparkasse und die Kirche am Steinhof – gelten heute als Meilensteine auf dem Weg vom Historismus zur Moderne. Wagner war ein Visionär: Er hatte erkannt, dass die auf die Vergangenheit fixierte Architektur des Historismus in Widerspruch zur politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dynamik seiner Zeit stand. Als Antwort darauf entwarf er eine strahlende, rationale Zukunftsarchitektur, die auf Zweck, Material und Konstruktion beruhte. Seine radikalen Entwürfe waren ein Befreiungsschlag für die Vertreter der Moderne, für die Hüter der Tradition dagegen blanke Provokation. Auch aus diesem Grund blieben viele von Wagners Projekten unausgeführt, so etwa seine Entwürfe für das Stadtmuseum am Karlsplatz, an dessen Stelle später das Historische Museum der Stadt Wien (heute: Wien Museum) errichtet wurde.

Zum 100. Todestag Wagners präsentiert das Wien Museum das Gesamtwerk dieses „Weltstadtarchitekten“ in einer großen Ausstellung, der ersten seit mehr als fünfzig Jahren. Die Schau wird im gesamten ersten Obergeschoß  gezeigt und ist mit rund 1.000 Quadratmetern Fläche fast dreimal so groß wie die gewohnten Sonderausstellungen im Wien Museum. Die Ausstellung setzt Wagners Schaffen in Beziehung zu seinen Wegbegleitern und Gegnern, beleuchtet das künstlerische, kulturelle und politische Umfeld und macht die internationale Strahlkraft des Architekten anhand von einzigartigen Objekten – kostbaren Zeichnungen, Modellen, Möbeln, Gemälden und persönlichen Gegenständen – anschaulich. Die Mehrzahl der rund 500 Exponate stammt aus dem Nachlass Wagners, der zu den größten Schätzen der Sammlung des Wien Museums zählt. Dazu kommen hochkarätige Leihgaben, u.a. vom Kooperationspartner der Ausstellung, dem Kupferstichkabinett der Akademie der Bildenden Künste Wien, sowie von der Albertina, dem Musée d´Orsay und weiteren institutionellen und privaten Leihgebern. Viele Objekte werden zum ersten Mal öffentlich zu sehen sein.

Letztlich geht es in der Ausstellung nicht nur um eine faszinierende Künstlerpersönlichkeit und ihr Werk, sondern auch um die brennende Aktualität grundsätzlicher Fragen, die von Wagner aufgeworfen wurden: vom kulturellen Stellenwert der Architektur über die Kunst im Städtebau bis hin zur konsequenten Verbindung von rigider Funktionalität, höchster Qualität und vollendeter Ästhetik – von der Gabel bis zur Großstadt. Vom Großstadtvisionär bis zum „Verkleidungskünstler“: die Schwerpunktthemen der Ausstellung  Zum ersten Mal wird das von der Ringstraße geprägte Frühwerk Wagners ausführlich behandelt, zeigt es doch bereits Ansätze zu einer individuellen „freien Renaissance“, die auf Material und Konstruktion setzt und sich von der zeitgenössischen Stilarchitektur abwendet. Damals begann Wagners erfolgreiche Tätigkeit als Spekulant, Zinshausarchitekt und Hausherr, die ihm finanzielle Unabhängigkeit ermöglichte. Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf Wagners Großstadtvisionen , vom Generalregulierungsplan für Wien von 1893 bis zum größten Auftrag seiner Karriere, dem Bau der Wiener Stadtbahn ab 1894. Die Konfrontation mit den technischen Anforderungen des modernen Großstadtverkehrs bedeutete einen Wendepunkt in Wagners Schaffen.

Professor an der Akademie
Ebenso wegweisend wie der Stadtbahn-Auftrag war die Berufung zum Professor  an der Akademie der bildenden Künste im Jahr 1894. Im kreativen Austausch mit den Schülern öffnete sich Wagner den aktuellen Strömungen des internationalen Art Nouveau und wurde zum Vater der Wiener Secession; zugleich konnte er mit der „Wagner-Schule“ eine Riege moderner Architekten nach seinen Vorstellungen ausbilden und sorgte damit für die Verbreitung seiner Ideen. Auch die kurze, aber intensive „secessionistische“ Phase  im Werk Wagners wird in einem eigenen Kapitel behandelt. Zu jener Zeit entstanden spektakuläre Entwürfe für einen Neubau der Akademie der bildenden Künste oder eine moderne Kirche, in denen Wagners Begeisterung für das Medium Zeichnung zum Ausdruck kommt.

Die in ebenso aufwändigen Zeichnungen präsentierten, aber vergeblichen Versuche Wagners, eine imperiale moderne Architektur für Kaiser Franz Josef zu entwerfen, leiten über zu jenem Projekt, das ihn am längsten und intensivsten beschäftigte: dem Stadtmuseum am Karlsplatz . Von 1900 bis 1910 arbeitete er unermüdlich an Entwürfen für einen modernen Monumentalbau, zugleich erhob sich erstmals lautstarke Kritik an Wagners radikaler, von der Tradition emanzipierter Architektur. Seine konservativen Gegner brachten das Projekt schließlich zu Fall. Parallel dazu konnte Wagner mit der Kirche am Steinhof und der Postsparkasse  zwei Initial- und Schlüsselbauten der Architektur des 20. Jahrhunderts errichten. War die Postsparkasse der erste, ganz aus der Funktion entwickelte Zweckbau, so schuf Wagner am Steinhof die erste moderne Kirche. Beide Gebäude erhielten eine neuartige, im Vergleich zum traditionellen Steinbau kostengünstige Verkleidung aus Marmorplatten, die zu einem Markenzeichen des „Verkleidungskünstlers“ Wagner wurde. Rund um diese Bauten entstand eine ganze Reihe von Entwürfen für Hotels, Krankenhäuser, Kirchen, Museen, Ministerien etc., die als Modelle für die Metropole des 20. Jahrhunderts interpretiert werden können – jene „unbegrenzte Großstadt“ , die Wagner 1911 als suggestive Zukunftsvision in Buchform veröffentlichte.

Entwürfe statt Bauprojekten
Zugleich realisierte er seine letzten Wohnhäuser. Sie sind von einer radikalen Einfachheit und Reduktion geprägt, die die Architektur des Neuen Bauens der 1920er-Jahre vorwegnimmt. Der Großteil der Entwürfe dieser Zeit blieb jedoch Papier. In diese Zeit fällt auch der Gipfel von Wagners internationalem Ruhm, und zu seinem 70. Geburtstag 1911 feierte man ihn als den größten lebenden Architekten. Mit dem Ersten Weltkrieg wurden sämtliche Bauprojekte eingestellt, Wagner verlegte sich gänzlich auf die Entwurfstätigkeit und plante bereits für die kommende Friedenszeit. Der frühe Tod seiner geliebten Frau Louise 1915 traf ihn tief. In seinen letzten Lebensjahren zog sich Wagner immer mehr zurück. Entwürfe für Baracken, Siegeskirchen und Kriegerdenkmäler zeugen zugleich von der Auseinandersetzung mit damals aktuellen Themen. Im April 1918 starb Wagner im Alter von 76 Jahren.

Mit dem Untergang der Monarchie verlor das bürgerliche Architektur- und Kulturkonzept Wagners und seiner Schüler die Basis – die Revolutionäre des „Neuen Bauens“ der 1920er-Jahre leugneten jeden Bezug zur Vergangenheit, die Pioniere der Moderne gerieten schnell in Vergessenheit. Um die Bedeutung Wagners als Bahnbrecher der Moderne in Erinnerung zu rufen, wurde 1930 ein von Josef Hoffmann gestaltetes Denkmal am Ballhausplatz  errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren seine Bauten jedoch vom Abbruch bedroht, erst in den 1960er-Jahren begann ein Umdenken.

Mittlerweile ist das Werk Otto Wagners als wesentlicher Teil des kulturellen Erbes Österreichs anerkannt – und zugleich touristisch vereinnahmt.

Ausstellungsdauer: 15. März bis 7. Oktober 2018
Ort: Wien Museum Karlsplatz

Informationen
wienmuseum.at

 


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