342 Naturstein

Aus festem Stein

© Richard Watzke
Klar und frei zugänglich: der Altar vor den Stufen, die das Kaisergrab enthalten
© Richard Watzke

Im Mittelpunkt der Neugestaltung der St.-Georgs-Kathedrale in Wiener Neustadt steht der Altar aus Naturstein und Bronze. Das Spiel mit der Oberfläche bildet einen Gegenpol zur strengen Geometrie des Entwurfes.

von: Richard Watzke

Die St.-Georgs-Kathedrale wurde 1460 als Burgkapelle der Wiener Neustädter Burg oberhalb einer gewölbten Torhalle errichtet. Die Basilika Minor dient als Kathedrale der österreichischen Militärdiözese und ist zugleich die Kirche der von Maria Theresia gegründeten, heutigen Theresianischen Militärakademie. Im Jänner 2019 wurde wurde nach Um- und Rückbaumaßnahmen der von den Tiroler Künstlern Martin und Werner Feiersinger neu gestaltete Altar geweiht. Die Feierlichkeiten waren der Startschuss zu den kirchlichen Aktivitäten im Maximiliansjahr 2019: Kaiser ­Maximilian I. wurde 1459 in der damaligen Wiener Neustädter Georgskirche getauft und 1519 auf eigenen Wunsch unter den Stufen des ehemaligen Hochaltars bei­gesetzt. Zugleich ist das Grab des vor 500 Jahren verstorbenen Kaisers ein wichtiger Bestandteil der 2019 in Wiener Neustadt stattfindenden Niederösterreichischen Landesausstellung. Um Besuchern einen freien Zugang zum Kaisergrab zu gewähren, wurde der Altarraum von Betoneinbauten der 1960er-Jahre befreit, das zweistufige Altarpodest nach historischen Quellen zurückgebaut und der Bodenbelag zum Bestand aus Untersberger Marmor passend erneuert.

Fester Altar aus Stein
Im Mittelpunkt der Neugestaltung steht der Altar aus Kalkstein und Bronze. Zwei längliche Bronzequader tragen je drei säulenartige Füße mit quadratischem Grundriss. Auf diesen Stipes ruht die steinerne Mensa. Die Oberfläche der Stipes wirkt wie mit dem Spitzmeißel bearbeitet. Tatsächlich sind die Bronzeflächen beim Altar Abformungen der Seitenflächen des ebenfalls neu geschaffenen Ambofußes aus gespitztem Kalkstein. Mit dieser Betonung des Natursteins spannen die Künstler einen Bogen zum Konzil von Trient, in dessen Folge die katholische Kirche Bücher mit präzisen Vorgaben für die Liturgie erließ. So enthält das Missale Romanum von 1570 klare Bestimmungen für die Gestaltung des Altares: War ein Altar aus Naturstein bis dahin üblich, wurde er nun verbindlich. Die Altarplatte soll aus einem einzigen Stück bestehen und unter oder in der Mensa des Altares muss sich in der Mitte ein fest verschließbares Depot von Reliquien, das Sepulcrum, befinden. All dies berücksichtigt der neue Altar. Die Bearbeitung des Ambofußes sowie das Herstellen der Abformungen für die Bronzegüsse erfolgte durch Werner Feiersinger, mit der Bearbeitung der Mensa war die Wolfgang Ecker GmbH betraut, die auch sämtliche Versetzarbeiten in der Kirche ausführte.

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Projekt
Altar und Ambo der St.-Georgs-Kathedrale, Wiener Neustadt

Natursteinarbeiten
Wolfgang Ecker Gesellschaft m.b.H., 2514 Traiskirchen
ecker-stein.at

Naturstein
Kroatischer Kalkstein San Sebastian, Sortierung „Uni 33“


Alle Fotos: © Richard Watzke

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