352 Bauwelt

Auf neuen Wegen

 © Manfred Seidl
Der Innenraum der Siedlung erweitert den Wohnraum.
© Manfred Seidl

Die Wohnsiedlung MGG22 in Wien-Stadlau ist geprägt durch eine Sequenz aus Gassen, Wegen, kleineren Plätzen und einem Gemeinschaftsgarten. Bauphysikalisch innovativ ist das Heizungs- und Kühlungskonzept.

Das Projekt MGG22 in der Mühlgrundgasse ist ein Wohnhausprojekt mit insgesamt 160 Wohnungen in Wien-Stadlau. Auf drei Grundstücken haben die drei Architekturbüros Sophie und Peter Thalbauer Architektur (Stiegen 3–7), Thaler Thaler Architekten (Stiegen 1–2) und Architekt Alfred Charamza (Stiegen 8–10) gemeinsam mit der Gemeinnützigen Wohngenossenschaft „Neues Leben“ und der M2plus Immobilien GmbH ein gemeinsames, grundstückübergreifendes städtebauliches Konzept realisiert. Die Siedlung besteht aus geförderten Mietwohnungen mit und ohne Eigentumsoption, geförderten SMART-Wohnungen, freifinanzierten Mietwohnungen sowie einer Arztpraxis. Die aus sieben Wohnhäusern bestehende Struktur ist geprägt durch das Zusammenspiel von Gebäuden und Plätzen: Die sieben Wohnhäuser und drei Plätze sind durch eine Sequenz aus Gassen, Wegen und kleineren Plätzen miteinander verbunden – umgeben von einer modellierten Gebäudesilhouette. Der Innenraum der Siedlung erweitert den Wohnraum. Diese offene, kleinteilige städtebauliche Struktur bleibt – mit zwei bis maximal vier Ober­geschoßen – moderat in den Höhenentwicklungen.

Heizen und Kühlen mit Bauteilaktivierung
Es handelt sich um den ersten mehrgeschoßigen Wohnbau, der mithilfe thermischer Bauteilaktivierung geheizt und gekühlt wird. Die großflächige thermische Aktivierung erfolgt über Rohrregister in den Betondecken. Die Flüssigkeit in den Leitungen wird über Wärmepumpen, die mit Erd-Tiefensonden gekoppelt sind, im Winter erwärmt und im Sommer gekühlt. Mit demselben System kann also sowohl geheizt als auch gekühlt werden. Die Betondecken und -wände dienen dabei als Zwischen­speicher und geben die Wärme und Kälte als Strahlung ab. Die Stromversorgung der Wärmepumpen erfolgt ausschließlich mit erneuerbarer Energie aus Windüberschussstrom und Erdwärme. Die Kühl- bzw. Heizmitteltemperatur wird nahe der Solltemperatur der Räume eingeregelt; das führt zu hoher Effizienz.

Essbare Stadt
Rund 100 Jahre, bis in die 1990er-Jahre, wurde das Gebiet von Gärtnern bewirtschaftet. Auf dem Konzeptplan Mayr/Thalbauer 2014 aufbauend, haben die Freiraum­planer Rajek Barosch – unterstützt vom Permakulturexperten Siegfried Tatschl – das Motto der essbaren Stadt entwickelt. Der Schwerpunkt zeigt sich vor allem im Freiraum: Obstbäume, Kräuter und Beeren sind überall zu sehen. Ein Gemeinschaftsgarten konnte auf der angrenzenden Wiese initiiert und von den Bauherren mitfinanziert werden. Der Gemeinschaft stehen eine große Pergola, ein Gerätecontainer, ein Brunnen und verschieden große Pflanzbeete zur Verfügung. 

Projekt
MGG22, Fahngasse 8/Mühlgrundgasse 24–26, 1220 Wien

Bauherr
Neues Leben, Wien und
M2plus Immobilien GmbH, Salzburg

Architektur
Bauplatz A: Thalbauer Architektur
thalbauer.net
Bauplatz B: Architekt Alfred Charamza
charamza.at
Bauplatz C: Thaler Thaler Architekten
thalerthaler.at

Energiekonzept
FIN Future is now – Kuster Energielösungen, Anif

Landschaftsplanung
Rajek Barosch, Wien

Projektdaten
Nutzfläche: 11.100 m²
Heizwärmebedarf: 24–28 kWh/m2/a
Erdsonden: 30, Tiefe 150 Meter

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Quelle: Screenshot

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