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Auf Distanz gehen

© Offecct
Distanz auf spielerische Weise: Raumteiler Sticks von Offect, entworfen von Andrea Ruggiero.
© Offecct

Ein Virus hat diesem Jahr die Krone aufgesetzt und heißt frecherweise noch so: Corona stellt den Globus auf den Kopf – auch die Arbeitswelt, die sich vielleicht wieder einmal an einem großen Wendepunkt befindet.

von: Barbara Jahn

Sie ist also auch abgesagt: Die große Büromöbelmesse Orgatec in Köln, die nur alle zwei Jahre stattfindet und stets zeigt, wo es in Sachen Office langgehen wird. Die einzige Schlagzeile, die diese Messe 2020 machen wird, ist die, die eindeutig zeigt, dass Corona immer noch alles fest im Griff hat. Doch irgendwie muss es weitergehen, auch an den Arbeitsplätzen, die in Anbetracht der Sicherheitsregelungen neu gedacht werden müssen. Abstand halten heißt es, eine neue Art, einander zu begegnen, die unserer Gesellschaft eher fremd ist. Und doch müssen wir uns daran gewöhnen. Aber was heißt das genau? Kommt jetzt statt der attraktiven Offenheit wieder das Einzelbüro wie ein Bumerang zurück? Wird es einen alternierenden Anwesenheitsplan geben wie in den Schulen? Oder werden alle ins Homeoffice verbannt? Nicht, dass das Arbeiten zu Hause etwas Schlimmes wäre, ganz im Gegenteil. Viele finden das sogar derart wunderbar, dass sie eigent­lich gar nicht mehr in das richtige Office zurückkehren wollen. Doch eine durch fortschreitende Digitalisierung ohnehin schon an sozialen Kontakten verarmte Gesellschaft sollte sich wenigstens den letzten Rest an zwischenmenschlicher Begegnung noch bewahren.

Kontaktloses Büro
Und das ist durchaus auch am Arbeitsplatz möglich. Zweifelsohne eine große Herausforderung, bedenkt man beispielsweise das Zusammentreffen in Aufzügen und Waschräumen oder bei Besprechungen. Ein Stück weit wird das Büro wohl kontakt- und berührungslos werden. Doch so einige charmante Ideen lassen auch weiterhin gut und vor allem vor Ort persönlich zusammenarbeiten. Eine sehr probate Möglichkeit, sich beim Gespräch trotzdem nah zu sein, sind die vielerorts eingesetzten Plexiglasschilde, bei denen die Gesprächspartner durch ein paar transparente Millimeter voneinander getrennt sind. Aber es gibt noch eine ganze Reihe von attraktiven Abstandhaltern, wie beispielsweise für diesen Zweck zusammengestellte Sitzkombinationen oder mobile Wände, die gleichzeitig als akustisches Element, als zusätzliches Tool für Accessoires oder als dekoratives Modul, etwa mit Moosen bestückt, eingesetzt werden können.

New-Work-Konzepte
Das Planungs- und Trendscoutingbüro JOI-Design sieht ganz klar, dass sich der Fokus des Office-Designs grundlegend verändern wird: „Es dreht sich nicht mehr nur um Kollaboration und Sharing, sondern das jetzt gelernte Leben auf Abstand muss sich auf die Office-Welt übertragen, und das heißt auch, dass es sich im Design und im Aufbau des Büros widerspiegeln muss. Nicht nur, um die neuen Hygienestandards und Vorschriften zu etablieren, sondern auch, um das jetzt Gelernte anzuwenden. Schon in den zuletzt angewandten New-Work-Konzepten wurde die Möglichkeit von privaten Rückzugsorten forciert (Think Tanks, Double Focus, Telephone Boxes …). Solche Orte werden in Zukunft stärker gebraucht werden, um auch das ‚distancing‘ physisch zu spüren.“ Aber auch neue effektive Mittel, die psychologisch einfach und im Arbeitsalltag unterstützend wirken wie flexible, mobile Trennelemente und auch Möbelstücke, die auf sympathische Weise Grenzen ziehen. Aber auch die Gestaltung des Bodens könnte in der Zukunft eine größere Rolle als bisher spielen – unterschiedliche Farben oder ein Materialwechsel können bei der Einhaltung von Abständen elegant mithelfen. Möchte man es etwas mit einem zwinkernden Auge betrachten, so bieten sich charmante Hinweisschilder an, etwa vom spanischen Designer Jaime Hayon für Viccarbe.

Arbeitsplatz neu überdenken
Auch Architekt Ben van Berkel zerbricht sich über die Zukunft des Büros den Kopf. Alte Strukturen, wie sie im Industriezeitalter geplant wurden, haben seiner Meinung nach nun endgültig ausgedient: „Da flexible Arbeit und Fernarbeit immer attraktiver werden, konkurrieren die Arbeitsplätze heute nicht mehr nur mit der Wohnung, sondern mit jedem gemeinsam genutzten Arbeitsraum – der Bibliothek, dem Café und dem öffentlichen Raum zwischen Wohnung und Büro. Um relevant zu bleiben, müssen Arbeitsstätten etwas bieten, das über das hinausgeht, was ihre Konkurrenten bieten können. Wir müssen das Arbeitsplatzangebot neu überdenken.“ Es geht also nicht um die Frage ob, sondern wie man Büros für solche Situationen zukunfts­fit macht. Dabei heißt es nicht „entweder oder“, denn voraussichtlich werden Office und Homeoffice einander ergänzen, um mehr Raum zu gewinnen, wenn nicht alle gleichzeitig vor Ort miteinander arbeiten dürfen. Die „Corona-Krise“ darf also sicher auch als Chance betrachtet werden, wie sich die Arbeitswelt – wieder einmal – neu erfinden wird.

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