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Anordnung von Licht, Schatten und Masse

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Größere Glasflächen ermöglichten die fast ­vollständige Auflösung der Außenmauern in Licht.
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Die Geschichte der Architektur ist zugleich die Geschichte des Fensters, meinte Le Corbusier. Fortschritte in Glasbau und Bautechnik waren Wegbereiter der Moderne.

von: Roland Kanfer

Fenster seien die Augen eines Hauses, sagt man. Sie ermöglichen Blickkontakt aus dem Inneren eines Gebäudes mit der Außenwelt, ganz so wie es die Augen für das Gehirn tun. So wie Form und Farbe der Augen Ausdruck und Charakter des dazugehörenden Gesichts prägen, tun es die Fenster beim Haus. Es ist kein Zufall, dass das altgermanische Wort für Fenster „Windauge“ lautet, was sich zum englischen „Window“ weiterentwickelt hat. Denn neben dem Sichtkontakt ermöglicht ein Fenster auch Schutz vor der Witterung, ein nicht unwichtiger Faktor im nördlichen Europa, der Ursprungsregion der Germanen.

Klimatische Bedingungen haben die Gestaltung der Fensteröffnungen wesentlich mitbestimmt. Schmale Schlitze in den Außenmauern reichten in heißen Gegenden aus, um Licht ins Hausinnere zu bringen. Die Hitze wollte man draußen lassen, dazu wurden die Öffnungen mit Gittern, textilen Vorhängen, Pergament oder Tierhäuten verhängt. Die Römer setzten erstmals Glas ein, das zwar Licht durch die Fenster ließ, zugleich aber vor Wind und Wetter schützte. Das gesamte Mittel­alter hindurch blieben verglaste Fenster dem Kirchen­bau vorbehalten, erst ab dem Spätmittelalter fand Glas auch im Wohnbau Verwendung.

Architekturelement Licht
Die Geschichte der Architektur ist zugleich die Geschichte des Fensters, lautet eine der Thesen des Schweizer Architekten Le Corbusier. Tatsächlich geht die technische Entwicklung in der Herstellung von Glas und anderen Baustoffen Hand in Hand mit dem Fortschritt in Bautechnik und Gestaltung. Während Fenster bis ins 19. Jahrhundert in kleinteilige Glasfelder unterteilt waren, machten größere Glasflächen entsprechend größere Fenster möglich. In Kombination mit der Entwicklung von Stahl- und Spannbeton konnten somit größere Wandöffnungen verglast werden, bis zur vollständigen Auflösung der Außenmauern in Glas und Licht in der Moderne. Damit wurde das Licht zu einem beinahe gleichwertigen Architekturelement neben den konventionellen Baustoffen.
Technische Fortschritte in der Metallbautechnik lassen Fensterrahmen heute optisch verschwinden. Während große Glasflächen bis in die Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts nur als ebene Scheiben hergestellt werden konnten, lassen sich heute auch gewölbte Scheiben konstruieren, die damit zu einem integrativen Fassadenelement werden. Architektur ist, so schreibt Angèle Tersluisen von der TU Kaiserslautern, im Grunde nichts anderes als die präzise Anordnung von Licht und Schatten, Masse und Material. Mit der Einbeziehung der „fünften Wand“ wird Tageslicht noch intensiver nutzbar. Fenster in Decken und Dachschrägen eines Dachgeschoßes bringen eine zusätzliche Dimension in das Architekturelement Licht.

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