356 Naturstein

Alt und Neu in Einklang bringen

© Richard Watzke
Auf der Shortlist zum 35. Wiener Stadterneuerungspreis 2020/2021: „Schwimmende Gärten“ am Donaukanal. Die ehemalige Kaiserbadschleuse wurde in eine urbane Insel umgewandelt.
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Auf der Shortlist: Generalsanierung Wohn- und Bürogebäude Walfischgasse 13
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Der Wiener Stadterneuerungspreis widmet sich der Erneuerung bestehender Bausubstanz. Die Ein­reichungen umfassen Sanierungen historischer Baudenkmale ebenso wie Maßnahmen an neueren Bau­werken, erklärt der Geschäftsführer der Landesinnung Bau Wien Andreas Ruby im Interview.

Für den von der Landesinnung Bau der Wirtschaftskammer Wien ausgelobten Wiener Stadterneuerungspreis wurden beim 35. Durchgang 37 realisierte Projekte aus den Jahren 2018 bis 2020 eingereicht. 16 schafften es auf die Shortlist. Darunter befinden sich zwei Projekte, bei denen der Naturbaustoff Stein eine charakteristische Rolle spielt.

Herr Ruby, an wen richtet sich der Wiener Stadterneuerungspreis?
Andreas Ruby: Der Wiener Stadterneuerungspreis wird von der Landesinnung Bau der Wiener Wirtschaftskammer für in Wien ausgeführte Hochbauvorhaben für Wohngebäude, Bürogebäude und Ausbildungsstätten vergeben, welche die Erhaltung und Verbesserung bestehender Bausubstanzen zum Gegenstand haben. Der Wiener Stadterneuerungspreis ist kein Denkmalpflegepreis, sondern widmet sich ganz allgemein der Stadterneuerung und Pflege bestehender Bauwerke, beispielsweise von Wohngebäuden, aber auch von Institutionen wie Schulen. Zielgruppe sind Bau­firmen, ausführende Unternehmen sowie Bauherren und Planer. In diesem Jahr wird den Gewinnern erstmals die neue Trophäe – der „Wiener Güteziegel“ in Gold, Silber und Bronze – verliehen. Für 2021 wurden erstmals drei neuen Kategorien ausgelobt.
In der Kategorie „Pionierleistung“ werden innovative Ansätze und neue Bauweisen, Baustoffe oder Gebäudetechnologien prämiert. Die „Bravourleistung“ zeichnet besondere Revitalisierungsprojekte aus, die das Stadtbild verbessern und wesentlich zur Stadtentwicklung beitragen. Außergewöhnliche Projekte Wiener Baumeister werden in der Kategorie „Wiener Meisterleistung“ gekürt.
Die Themen der vergangenen Jahre waren sehr weit gestreut, von Blocksanierungen bis hin zu kleinen Baujuwelen, die revitalisiert werden, und das nicht nur in der Innenstadt, sondern im gesamten Stadtgebiet Wiens.
Die Kategorien wurden neu eingeführt, um noch stärker auf die Leistungen auch kleinerer Betriebe eingehen zu können, die gerade im Kontext eines großen Projektes weniger stark Beachtung finden.

Welchen Stellenwert hat die Pflege historischer Bausubstanz für das Stadtbild?
Andreas Ruby: Wien ist reich an historischer Bausubstanz. Nicht nur im 1. Gemeindebezirk, sondern über das gesamte Stadtgebiet verteilt befinden sich Bauwerke, die mit ihrem Charme das Gesicht Wiens nach außen prägen. Beim Mercer-Preis steht Wien seit über zehn Jahren international an der Spitze. Das Kriterium der Lebensqualität hängt unmittelbar auch an der Qualität der Wohn- und Arbeitsumgebung einer Stadt, und hier schneidet Wien besonders gut ab. Die Pflege historischer Bausubstanz ist nicht zuletzt auch Imagepflege im positiven Sinn.  Es ist unkomplizierter, ein Gebäude auf grüner Wiese neu zu errichten, als historische Substanz sorgsam auf den heutigen Stand der Technik zu bringen. Bei denkmalgeschützter Substanz ist diese Aufgabe noch viel anspruchsvoller. Alle Baumeister und Unternehmen tragen somit ein Stück weit Verantwortung, das Weltkulturerbe zu schützen und zu bewahren. Dieses Bewusstsein nimmt zu, wie die steigende Resonanz beim Stadterneuerungspreis zeigt.   

Welche Bedeutung haben natürliche Werkstoffe dabei?
Andreas Ruby: Bei der großen Bandbreite der Einreichungen verwundert es nicht, dass auch historische Baukonstruktionen mit natürlichen Werkstoffen wie Hanf als Dämmstoff oder Lehmputze vertreten sind. Naturstein ist ebenfalls ein wichtiger Baustoff.
Wie lässt sich ein harmonisches Mit­einander alter und neuer Bausubstanz erreichen?
Mit sehr viel Fingerspitzengefühl. Bauherren, Planer und ausführender Betrieb müssen gut zusammenspielen. Ein visionärer Planer analysiert die Gegebenheiten und Möglichkeiten eines Objektes im gesamten Kontext. Denken wir ans Haas-Haus in unmittelbarer Nachbarschaft zum Stephansdom. Zur Zeit der Fertigstellung 1990 gab es nicht wenig Entrüstung, doch mittlerweile ist Hans Holleins Fassade ein fester Bestandteil des Wiener Stadtbildes. Der Bauherr seinerseits muss es gutheißen und finanzieren und ein ausführendes Unternehmen muss die Pläne kompetent umsetzen.

Kann ein Naturbaustoff traditionell und modern zugleich sein?
Andreas Ruby: Hier verweise ich wieder auf die Konstellation von Haas-Haus und Stephansdom. Naturstein kann je nach Anwendung und Projekt ein historischer und auch ein moderner Baustoff sein.

Welche Bedeutung haben das Handwerk und gut ausgebildete Fachkräfte bei der Stadterneuerung?
Andreas Ruby: Das ist das Um und Auf, um all die Veränderungen umsetzen zu können. Während der Neubau oftmals auf standardisierten Verfahren beruht, erfordert die Sanierung eines jahrhundertealten Dachstuhls oder einer Gewölbekonstruktion detaillierte Kenntnisse historischer Baukonstruktionen und versierte Handwerker. Gut ausgebildete Fachkräfte sind hierfür unverzichtbar. 

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