355 Naturstein

Ästhetischer Charakter

© Richard Watzke
Schaugarten mit Natursteinplatten im Innenhof beim Schauraum am Wiener Schottenring
© Richard Watzke

Die sorgfältige Planung und geeignete Materialauswahl sind Grundvoraussetzungen für ein erfolgreiches Projekt mit Naturstein. Stone4you-Geschäftsführer Georg Leeb erklärt, worauf Planer achten sollten.

von: Richard Watzke

Welchen Stellenwert hat Naturstein im Innenausbau und in der Gartengestaltung?
Naturstein besitzt einen funktionalen und auch einen optischen Wert. Im Innenausbau haben wir mit Küchenarbeitsplatten, Stufen, Duschrückwänden sehr attraktive und zugleich funktionelle Elemente, in der Gartengestaltung ist der Bau von Naturteichen ein wachsender Einsatzbereich. Mit den auf die jeweilige Wasserqualität angepassten Steinen lassen sich optisch ansprechende Unterwassermauern errichten. Wichtig ist hierbei ein Naturstein mit geringem Phosphorgehalt. Frostbeständige Terrassen und massive Blockstufen sind ein weiteres Einsatzgebiet. Gegenüber anderen Baustoffen besitzt Naturstein einen sehr hohen Stellenwert, weil er einer der ältesten Baustoffe des Menschen ist. Seine Natürlichkeit, Langlebigkeit und Dauerhaftigkeit sind in unserem Bewusstsein verankert. Ein Boden aus Stein funktioniert viel länger als eine Holzterrasse.

Worauf legen Planer und Bauherren Wert?
Neben einer hohen Funktionalität wird darauf geachtet, dass eine Lösung der vorgeschriebenen Widmung entspricht. Ein Stichwort hierbei ist die Trittsicherheit bewitterter Außenflächen. Planer und Bauherren achten darüber hinaus auf eine gute Integration in die Gesamtoptik. Zugleich soll ein Projekt leistbar sein und sich der Wartungsaufwand im Rahmen halten. Bei der Materialauswahl beobachten wir einen Trend zu einer neuen Einstellung im Sinne von „weniger ist mehr“. Gegenüber einem bunten Steinmix aus Importgraniten der 80er- oder 90er-Jahre in ein und demselben Bauvorhaben stehen heute zurückhaltende Gestaltungen im Vordergrund, beispielsweise mit unifarbenen euro­päischen Kalksteinen. Lebhaft strukturierte „Exoten“ dienen vorwiegend als Blickfang an einer Bar oder als Rückwand einer Dusche.

Was macht Naturstein zu einem modernen Baustoff?
Viele historische Vorbilder zeigen, welche positiven Eigenschaften Naturstein über eine lange Nutzungsdauer besitzt, angefangen von Eigenschaften wie Atmungs­aktivität und einem problemlosen Recycling. Natürlicher Stein erfüllt generell den Wunsch zurück zur Natürlichkeit und Authentizität.

Warum wird die Herkunft eines Baustoffes immer wichtiger?
Die Klimadebatten sind allgegenwärtig und berühren uns alle. Folglich wird immer mehr hinterfragt, ob der Import von Pflastersteinen aus China wirklich sinnvoll ist. Wie am Lebensmittelsektor setzt sich auch in der Baustoffindustrie die Überzeugung durch, dass das Gute eher in der Nähe liegt.

Welche Vorteile bieten regionale Natursteine?
Aus regionalen Natursteinen haben wir teils jahrhundertealte Referenzprojekte, das Witterungsverhalten ist bekannt, ebenso die Lieferfähigkeit und die Möglichkeit späterer Nachlieferungen. In Beratungen stellen wir fest, dass dieses Thema wichtiger wird. Eine regionale Verarbeitung sichert die heimische Wertschöpfung und erlaubt kurze Lieferzeiten wie auch das Reagieren auf Planänderungen. Stichwort Container: Viele Importmaterialien kommen als Rohplatte oder Fertigware per Seefracht zu uns nach Europa. Steckt ein Container­schiff wie jüngst im Suezkanal fest, verzögern sich möglicherweise auch die Fertigstellungstermine von Bauvorhaben. Bei Materialien aus Europa lässt sich ein Ersatz deutlich einfacher organisieren, bei Material und Verarbeitung aus Österreich noch viel mehr.

Was sind häufige Planungsfehler und wie lassen sie sich vermeiden?
Nicht selten setzen Gestalter den Fokus in der Projektvorbereitung primär auf eine optisch ansprechende Lösung. Die technischen Aspekte im Umgang mit Naturstein werden hingegen weniger stark beachtet. Daher ist eine der wichtigsten Maßnahmen für das Gelingen eines Projektes, den Steinverarbeiter möglichst früh einzubinden. Durch die frühe Zusammenarbeit schon vor der eigentlichen Materialauswahl lassen sich Planungsfehler wie mangelhafte Entwässerung, nicht belagsfertige Untergründe, zu geringe Plattenstärken und ein ungünstiger Fugenschnitt oder mangelnde Dehnfugen ebenso vermeiden wie die Auswahl von Steinsorten, die optisch reizvoll sind, sich für das individuelle Projekt aber weniger eignen. Ein Beispiel hierfür sind Poolumrandungen. Bei chlorhaltigem Süßwasser eignen sich grundsätzlich alle Steine. Beliebt sind hierfür Travertin, Kalkstein, Sandstein und Granit. Bei Salzwasser ist bei der Materialwahl zu beachten, ob der Salzwasserpool mit einer beweglichen Kuppel überdacht ist. In diesem Fall empfehlen wir Granit oder dichten, tausalzbeständigen Kalkstein, um Schäden durch Salzablagerungen im Kondenswasser zu vermeiden. Generell ist es ratsam, sich anhand von Referenzprojekten über einen Stein zu informieren und zu prüfen, wie er sich im laufenden Betrieb bewährt. Ein häufiger Fehler sind zu dunkle Natursteine auf Terrassen und vergleichbaren Bereichen. Im Sommer werden diese Flächen so heiß, dass sie barfuß nicht mehr betreten werden können. Hier sollte man unbedingt hellere Natursteine bevorzugen, die sich nicht so stark aufheizen.

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