348 Naturstein

Ästhetischer Charakter

© Marmor-Industrie Kiefer
Abbauwand des Marmors im Lienbacherbruch in Adnet
© Marmor-Industrie Kiefer

Dr. Clemens Deisl ist Geschäftsführer der Marmor-Kiefer GmbH in Oberalm bei Salzburg.

Warum wird die Herkunft eines Baustoffes immer wichtiger?
Bei der Auswahl und Beurteilung von Baustoffen wird zum Glück vermehrt auf ökologische Kriterien geachtet. Dabei ist der Umwelteinfluss, den das jeweilige Material über den gesamten Lebenszyklus, d. h. von der Erzeugung über die Verwendung bis hin zur Entsorgung bzw. Wiederverwendung, hat, ein entscheidender Gradmesser. Alleine schon aufgrund der Transport­thematik und des mit Transporten derzeit unweigerlich verbundenen CO2-Ausstoßes ist die Herkunft eines Baustoffes für dessen ökologische Beurteilung ein wesentlicher Aspekt. Zudem wächst das Bewusstsein, dass regionale Produkte unter fairen und sozialverträglichen Bedingungen hergestellt und vermarktet werden, was bei importierten Produkten oftmals nicht der Fall ist bzw. nicht wirklich kontrolliert werden kann.

Wodurch zeichnet sich Naturstein als moderner Baustoff aus?
Bauen mit Naturstein verbindet man zu Recht mit Beständigkeit, Langlebigkeit und Werthaltigkeit. Dies sind Attribute, die wieder verstärkt in den Fokus für modernes und nachhaltiges Bauen rücken. Neben den positiven bautechnischen Eigenschaften, die dafür verantwortlich sind, bieten Natursteine eine schier grenzenlose Vielfalt an Farben und Strukturen. Da man Naturstein mit verschiedenen Bearbeitungsmethoden in fast jede beliebige Form bringen kann, ergeben sich extrem vielfältige gestalterische Möglichkeiten. Als Naturprodukt ist Stein – sofern nicht allzu weite Transportstrecken im Spiel sind – im Allgemeinen ein ökologischer Baustoff.

Welche Vorteile bieten regionale Natursteine?
Die regionalen Natursteine am aktuellen Markt sind durch die Bank Materialien, mit denen seit Langem positive Erfahrungen vorliegen und deren Qualität und Eignung dementsprechend gut erprobt sind. Es haben sich in diesem Segment vor allem solche Steinsorten etabliert und gehalten, die sich durch ihre guten Materialkennwerte bzw. ihren ästhetischen Charakter besonders auszeichnen. Die mit großer Wahrscheinlichkeit auch zukünftige Verfügbarkeit der meisten heimischen Steinsorten ist ein großer Vorteil in Hinblick auf Nachlieferungen und Ergänzungen. Speziell in der Denkmalpflege und bei Restaurierungen gibt es viele Beispiele für heimische Materialien, die nach Jahrzehnten bzw. sogar Jahrhunderten noch in gleicher bzw. ähnlicher Ausprägung verfügbar sind.

Welche Vorteile bietet die Verarbeitung in Österreich?
 Volkswirtschaftlich gesehen bietet die Steinproduktion in Österreich den Vorteil, dass auch die Wertschöpfung daraus im Land oder in der Region bleibt. Insbesondere gilt dies, da mit der heimischen Produktion in der Regel qualifizierte Arbeitsplätze verbunden sind. Leider herrscht für die Steinproduktion in Österreich ein starker Kostendruck, vor allem bedingt durch Importwaren, die unter anderen Rahmenbedingungen, speziell Lohnkosten und Umweltauflagen betreffend, hergestellt werden. Somit gilt es für die hier ansässigen Betriebe, sich über die Stärken ihrer Produktion sowie die qualitativen Vorteile der heimischen Natursteine zu profilieren und zu etablieren. Ein zentraler Punkt dabei ist aus meiner Sicht das hohe Qualitäts- und Service­niveau, das den Kunden geboten werden kann. Dies beginnt mit der Beratung im Vorfeld und der Fachkompetenz bei der Materialwahl sowie in technischen Fragestellungen und setzt sich über eine individuell auf die Kundenwünsche zugeschnittene Produktion bis hin zur fachgerechten Verlegung und Montage fort. In der gesamten Verarbeitungskette zeichnet sich eine heimische Produktion in der Regel durch höhere Flexibilität aus, sodass auch auf kurzfristig gewünschte Änderungen rasch reagiert werden kann. Die Steinproduzenten in Österreich verarbeiten darüber hinaus Materialien, die sich durch positive Langzeiterfahrungen auszeichnen und aller Voraussicht nach auch in Zukunft in gleicher Qualität und Ausprägung nicht nur für neue Bauten, sondern auch für Ergänzungen und Restaurierungen verfügbar sein werden. Speziell auch aus Sicht von Bauherren und Architekten ist es wünschenswert und vorteilhaft, wenn die Kompetenzen in der Steingewinnung und Steinproduktion in Österreich bewahrt und ausgebaut werden können.

Was sollten Architekten bei der Materialauswahl beachten?
Im ersten Schritt sind die für die jeweilige Anwendung notwendigen technischen Anforderungen, wie zum Beispiel Frostbeständigkeit und Festigkeit, abzuklären und von den infrage kommenden Materialien zu erfüllen. Auf diesen Vorkriterien baut dann die konkrete Wahl des Natursteins anhand von gestalterischen und ästhetischen Gesichtspunkten auf. In dieser Entscheidungskette ist es von großem Vorteil, den erfolgreichen Einsatz eines Materials durch Referenzen mit Langzeiterfahrung dokumentieren zu können. In weiterer Folge bestehen Anforderungen an die Qualität der Verarbeitung sowie die Qualität der Ausführung beim Versetzen. Für umwelt- und sozialbewusste Bauherren und Planer ist es immer öfter ausschlaggebend, woher ein Baustoff kommt und unter welchen Bedingungen er gewonnen, verarbeitet und gehandelt wird.

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