Wettbewerbe

Zumtobel Group Award 2017

© Iwan Baan
© Iwan Baan

Mit der fünften Vergabe des „Zumtobel Group Award – Innovations for Sustainability and Humanity in the Built Environment“ hat die internationale Fachjury 2017 die Projekte von Michael Maltzan Architecture, UNStudio, Arturo Vittori und TeamMinus mit einem ersten Preis ausgezeichnet.

Auslober
Zumtobel Group

Gegenstand des Wettbewerbs
Der internationale Architekturpreis, erneut kuratiert vom Aedes Architekturforum Berlin, adressierte zukunftsweisende Konzepte und Entwicklungen für mehr Lebensqualität und Nachhaltigkeit in der gebauten Umwelt und deren Gestaltung.

Kategorien
Buildings, Urban Developments & Initiatives und Applied Innovations. Zusätzlich wurde heuer erstmals ein Sonderpreis für „Young Professionals“ verliehen.

Beteiligung
347 Projekte aus 48 Ländern und fünf Kontinenten

Preisgeldsumme
165.000 Euro

Informationen
zumtobel.com

Gewinner Kategorie Buildings

© Iwan Baan
© Iwan Baan
© Iwan Baan
© Iwan Baan

Star Apartments
Michael Maltzan Architecture, Los Angeles/USA
mmaltzan.com
Fertigstellung: 2014

Überblick: Umnutzung eines bestehenden Gebäudes, Modularbauweise mit vorgefertigten Elementen,  „Essbare Gärten“, die von Anwohnern betreut werden, Gebäudeentwurf fördert Resozialisierung und gemeinschaftliche Beziehungen, LEED Platin-zertifiziert; lokale Umweltstandards um 28,8 % übertroffen

Für Star Apartments wurde ein bestehendes, eingeschoßiges Geschäftsgebäude in eine fast 11.000 m² große Einrichtung für unterstütztes Wohnen im Herzen von Downtown Los Angeles umgebaut. Das Gebäude bietet jetzt auf sechs Stockwerken 102 Wohneinheiten und Betreuungsdienstleistungen für Obdachlose. Das Raumprogramm besteht aus drei übereinander geschichteten Hauptzonen: Gesundheitsdienste und Büros im Erdgeschoß, einer zweiten Ebene mit Gemeinschaftsräumen und darüber vier Stockwerken mit terrassenförmig angelegten Wohnungen. Das Gebäude besteht aus vorgefertigten modularen Bauelementen und ist das erste Mischnutzungsprojekt für bezahlbares Wohnen in Los Angeles, das diese Baumethode anwendet.

Das Konzept fördert den Resozialisierungsprozess der vormals obdachlosen Bewohner durch positive Kompetenzbildung, gesunde zwischenmenschliche Beziehungen und Wohlbefinden. Gegenüber den allgemeinen Verdichtungs- und Stadterneuerungsprozessen in Downtown Los Angeles, waren hier ein Maximum an natürlicher Belüftung und Tageslicht sowie ein sicheres soziales Miteinander zentrale Anliegen des Entwurfs, was durch die zahlreichen Terrassen für Gemeinschafts- oder Reha-Aktivitäten realisiert wurde. Die Auftraggeber und das Entwurfsteam führten mehrere Sitzungen mit den Bewohnern, dem zuständigen Betreuungs-Team sowie der Hausverwaltung durch, um Anregungen zu erhalten, die direkt in die Konzeption einflossen. Die Star Apartments bieten ihren Bewohnern nicht nur eine bessere Lebensqualität, sie geben ihnen auch ein Gefühl von Stolz, Unabhängigkeit und Würde zurück.

Im einladenden Erdgeschoss ist der neue Hauptsitz der „Housing for Health“ Abteilung des Los Angeles County Department of Health Services (DHS) untergebracht – einer für Obdachlose zuständigen Behörde des Gesundheitsamtes – und eine vom DHS geführte Arztpraxis mit fünf Untersuchungsräumen. Darüber hinaus befinden sich hier die Büros für das Betreuungspersonal und den Hausverwalter sowie 25 Garagenplätze. Das Erdgeschoss erhält durch die Rundum-Schaufenstervollverglasung viel Tageslicht. Das zweite Stockwerk mit einem Gesundheits- und Erholungsbereich bietet zahlreiche Gemeinschaftsräume, darunter eine Gemeinschaftsküche, ein Besprechungszimmer, einen Kreativraum, eine Bibliothek sowie Sportmöglichkeiten mit Gymnastikraum, einer Laufbahn und einem Pickleball Platz. Den Bewohnern stehen großzügige, offene Terrassen sowie ein „essbarer Garten“ von fast 200 m² zur Verfügung. Die Wohneinheiten sind jeweils mit einer Wohnküche, einem Schlaf- und einem Badezimmer ausgestattet.

Gewinner Kategorie Urban Developments & Initiatives

© Eva Bloem
© Hufton Crow
© Hufton Crow
© Siebe Swart
© UNStudio
 

Arnhem Central Station
UNStudio, Niederlande
unstudio.com
Ort: Arnheim, Niederlande
Fertigstellung: 2015

Überblick: Zentrum für öffentlichen Nah- und Fernverkehr mit gemischter Nutzung und öffentlichem Raum, Beitrag zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und Konnektivität in Arnheim, soziale und ökologische Nachhaltigkeit, Energielieferant zum Heizen und Kühlen sämtlicher umliegender Gebäude

In der Arnhem Central Station werden unterschiedliche Personentransportsysteme zu einem neuen Bahnhofskonzept kombiniert. In dem Komplex, mit seiner Funktion als Drehscheibe für den öffentlichen Nah- und Fernverkehr, gehen Büros, Einzelhandelsflächen, eine neue Bahnhofshalle, eine Dachplattform, eine Bahnunterführung, ein Straßentunnel sowie Fahrradstellplätze und Parkflächen nahtlos ineinander über und verbinden sich zu einem pulsierenden Verkehrsknotenpunkt, der alle innerstädtischen Hauptverbindungen regelt. Durch die Verschmelzung von Innen- und Außenraum schafft das Bahnhofsgebäude eine neue Identität für die Region und Stadt.

Der von UNStudio entwickelte Masterplan startete im Jahr 1996. Seitdem hielt der ursprüngliche Entwurf erheblichen wirtschaftlichen, finanziellen, sozialen und politischen Veränderungen als auch einer radikalen Änderung in der Materialauswahl stand. Eine aus dem Schiffsbau entlehnte Konstruktionstechnik ermöglichte final den Materialwechsel von Beton zu Stahl, während eine zentrale Entwurfsstrategie den Materialeinsatz durch Standardisierung von Details reduzierte. Das Konzept der zwei Untergeschosse ermöglichte den Ausbau zu einer multimodalen Verkehrsdrehscheibe und gleichzeitig einem Ort mit Raum zum Arbeiten, Einkaufen, Essen gehen und für Freizeitvergnügen.

Das gesamte Konzept stimuliert die verstärkte Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln. Eine umfassende Analyse der Passagierströme und des Verkehrsmittelbedarfes ließ bei der Gestaltung der Fußgängerwege eine zukünftige Kapazitätssteigerung mitberücksichtigen, um mit dem wirtschaftlichen Wachstum der Region Schritt halten zu können. Der Entwurf verkörpert auch die Idee der sozialen Nachhaltigkeit durch Gemeinschaftsgefühl, weite Blickfelder und offene Räume, die ein Gefühl von Sicherheit und Wohlbefinden vermitteln. Das gesamte Entwicklungsgebiet ist mit einem Erdwärmespeicher ausgestattet und dient den umliegenden Gebäuden als zentraler und nachhaltiger Energielieferant sowie zum Heizen als auch Kühlen. Ein automatisiertes Müllabfuhrsystem bewältigt 1.300 Tonnen Müll pro Jahr und trägt so zu einer erheblichen Reduktion der Feinstaub- und Abgasbelastung durch Müllfahrzeuge bei.

Der neue Bahnhof gibt Arnheim die Bedeutung eines wichtigen Verkehrsknotenpunkts im europäischen Schienennetz mit Direktverbindungen nach Frankfurt, Köln, Berlin, Amsterdam, sowie Rotterdam und Brüssel. Diese Positionierung unterstützt den Entwicklungsplan für die Region und das Gebiet zwischen Arnheim und Nimwegen, das als europäischer Wirtschaftsstandort zunehmend an Bedeutung gewinnt. Der Bahnhofskomplex bildet mit seinem aktuell täglichen Passagieraufkommen von 65.000 Personen das Hauptportal zur Stadt.

Gewinner Kategorie Applied Innovations

© Arturo Vittorio
© Arturo Vittorio
© Arturo Vittorio
© Arturo Vittorio

Warka Water
Arturo Vittori, Italien
arturovittori.com
Ort: Dorze Region/ Omo-Tal, Äthiopien
Entwickelt: 2015

Überblick: Lösungsansatz für den mangelnden Zugang zu sauberen und sicheren Wasserressourcen in ländlichen Regionen Afrikas, passives technisches Verfahren, das zum Betrieb Naturphänomene kopiert, schafft sozialen Raum zur Stärkung der Gemeinschaft und für Zusammenkunft, durchschnittlicher Wassergewinn von bis zu 100 Liter pro Tag

Warka Water ist eine alternative Wasserquelle für die ländliche Bevölkerung Afrikas, die erschwerten Zugang zu Trinkwasser hat. Mit dem Ziel, durchschnittlich 100 Liter Trinkwasser pro Tag zu generieren, sammelt Warka Water Regenwasser und erntet Nebel und Tau.

Inspiriert von der Biomimetik, die sich mit dem Übertragen von Phänomenen der Natur auf die Technik beschäftigt, sind die Methode der Wassergewinnung und das Konstruktionssystem von Warka entstanden. Bei vielen Pflanzen und Tieren haben sich auf den Oberflächen einzigartige mikro- und nanometerkleine Strukturmerkmale entwickelt, durch die sie Wasser aus der Luft einsammeln und so selbst in einer lebensfeindlichen Umgebung überleben können.

Für Warka Water wurden bestimmte Materialien und Beschichtungen identifiziert, mit denen es möglich ist, die Taukondensation sowie den Wasserfluss und die Lagerkapazität von Wasser zu verbessern. Untersucht wurden hierfür der Panzer des Namib-Wüstenkäfers, das Lotusblütenblatt, die Fäden von Spinnennetzen sowie das in Kakteen vorhandene System, Wasser aus Nebel zu sammeln. Als Vorbild für das äußere Erscheinungsbild von Warka mitsamt seiner Form und Geometrie dienten Termitenhügel. Auch die äthiopische Korbflechterei und die traditionelle Architektur des Landes dienten als Inspirationsquelle für das Design von Warka Water.

Aus einfachen Mitteln gebaut, kann Warka Water von den Dorfbewohnern selbst angeschafft und betrieben werden, worin der Schlüssel zum Erfolg des Projekts liegt. Warka Water wird aus lokalen und biologisch abbaubaren Materialien wie Bambus, Seilen aus pflanzlichen Fasern sowie Bio-Kunststoff hergestellt. Der letzte errichtete Prototyp ist 11 Meter hoch und wiegt nur 80 kg. Die dreieckförmige Rahmenstruktur ist im Hinblick auf Leichtigkeit und Festigkeit optimiert und sorgt für Stabilität und Robustheit. Die Struktur ist modular und faltbar, wodurch sie leicht transportiert werden kann. Um den kreisförmigen Sockel herum sind 16 Fixierungspunkte verteilt, an die ein Netz aus Seilen befestigt wird, das den Turm stabilisiert, damit er starkem Wind standhalten kann. Im Inneren der Bambusstruktur hängt ein Kollektor für Tau und Regenwasser sowie ein Maschengewebe aus Plastik, das bei hoher Luftfeuchtigkeit feinste Wassertröpfchen bindet.

Warka Water beruht allein auf Naturphänomenen wie der Schwerkraft, Kondensation und Verdunstung und benötigt keine elektrische Energie. Der Turm sichert der Gemeinschaft nicht nur eine ihrer lebenswichtigsten Ressourcen, im Schatten seines Vordaches treffen sich die Menschen auch zu Versammlungen oder Bildungszwecken – Warka Water schafft somit auch sozialen Raum und einen Ort für Zusammenkunft.

Gewinner Young Professionale

 

Jianamani Visitor Center
Atelier TeamMinus, China
teamminus.com
Ort: Yushu, China
Fertigstellung: 2014

Überblick: öffentliches Besucher- und Gemeindezentrum an historischer, religiöser Stätte des tibetischen Buddhismus, lokales Postamt, Klinik, öffentliche Toiletten und Forschungsarchiv, Dachterrassen und Aussichtsplattformen aus Holz und recyceltem Erdbebenschutt, schlichte Geometrie und regionale, traditionelle Architektur mit charakteristischem Mauerwerk

Yushu ist für die Tibeter eines der wichtigsten religiösen Zentren. Die buddhistische Stätte Jiana Mani (deutsche Schreibweise Gyanak Mani) ist vor allem für ihre weltweit größte Ansammlung von Manisteinen bekannt. Im Laufe ihrer über 300-jährigen Geschichte haben sich an dieser Stätte des tibetischen Buddhismus mehr als 250 Millionen Manisteine angesammelt, und täglich fügen Pilger neue Steine hinzu. Für die Einheimischen ist keine Stätte mit Jiana Mani vergleichbar. Nach dem Erdbeben von 2010 begannen die Einwohner von Yushu erst mit der Instandsetzung von Jiana Mani, noch bevor sie ihre eigenen Häuser reparierten.

Das Jianamani Visitor Center geht mit der tibetischen Geschichte eine Verbindung ein, durch Zeit und Raum, indem es deutliche Verknüpfungen zu dieser historischen Stätte schafft. Angelehnt an die traditionellen Handwerkstechniken wurde das Mauerwerk von einheimischen Maurern mit denselben Felsen gebaut, aus denen auch die Manisteine gemeißelt werden. In Yushu verdienen über 40 Prozent der Einwohner ihren Lebensunterhalt mit dem Bearbeiten von Manisteinen.

Das Jianamani Visitor Center besteht aus einem quadratischen Gebäude, das einen zentralen Innenhof umschließt und von elf Aussichtsplattformen umgeben ist. Die Grundrissgestaltung des zentralen, quadratischen Baukörpers folgt der tibetanischen Tradition. Das Geländer der Dachterrasse und der Aussichtsplattformen besteht aus Holz, das teilweise aus Erdbebenschutt recycelt wurde. Das Jianamani Visitor Center wird sowohl von auswärtigen Gästen als auch von der lokalen Gemeinschaft genutzt. Die Besucher können sich über Jiana Mani und seine Geschichte informieren und von den Aussichtsplattformen auf die historischen Stätten in der Umgebung blicken. Den Bürgern von Yushu stehen ein Postamt, eine Klinik, öffentliche Toiletten sowie ein kleines Forschungsarchiv zur Verfügung.

Mit dem Projekt sollte nicht nur ein modernes Besucherzentrum mit charakteristischem Angebot geschaffen werden, sondern auch ein Ort, an dem sich Menschen mit verschiedenem kulturellem Hintergrund austauschen können: Ortsansässige Tibeter betreiben Läden in Kooperation mit auswärtigen Investoren, heimische Historiker erzählen im Besucherzentrum die Geschichte von Jiana Mani, ein um das Gebäude verlaufender Korridor eignet sich hervorragend für die täglichen Gebetsrundgänge der Tibeter, der zentrale Innenhof bietet einen geschützten Raum für Gemeinschaftsaktivitäten, und insbesondere auf der Dachterrasse können Einheimische rund um die Uhr auf Besucher unterschiedlichster Herkunft treffen.

Beim Jianamani Visitor Center verschwimmen die Grenzen zwischen Architektur und Landschaftsgestaltung, das Gebäude verschmilzt vollkommen mit seiner Umgebung. Durch seine schlichte geometrische Formensprache wirkt es modern, steht aber durch seine Materialität zugleich in der regionalen Tradition, wobei das Natursteinmauerwerk sowie die Heiz- und Belüftungsstrategien auf bewährten lokalen Technologien beruhen.


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